Bürgerkrieg: Diese Kölner kämpfen gegen den Tod in Syrien

Artikelinfo
Datum: 
02.05.2016
Autor: 
Martin Böhme
Quelle: 
Express

Seit 2011 tobt der Bürgerkrieg in Syrien. Die Opferzahlen werden auf 220.000 geschätzt, Millionen Menschen sind auf der Flucht. Allein in den vergangenen Tagen kamen in der Stadt Aleppo bis zu 250 Menschen ums Leben.


Doch genau in dieses Elend reisen die Notärzte der Kölner Hilfsorganisation „Cap Anamur“.


EXPRESS sprach mit Geschäftsführer Bernd Göken (49) über die Mission: Helfen.


„Es ist jeden Tag ein Kampf gegen den Tod“, sagt der zweifache Familienvater über die Hilfe in Syrien. Seit 2012 ist die Notärzte-Vereinigung im syrischen Städtchen Azaz tätig. Patrouillierende Soldaten, Bombeneinschläge und Kriegsverletzte bestimmen den Alltag der Ärzte.


Auch der gelernte Krankenpfleger Göken erlebte das Elend hautnah: 2013 wurde die Klinik in Azaz vom Islamischen Staat (IS) angegriffen. „Maskierte Männer mit Kalaschnikows stürmten Azaz. Sie wüteten in den Straßen. Auch die Ärzte wurden zum Tode verurteilt“, so Göken.


Mehrere Tage war er auf der Flucht, immer in Todesangst: „Ich dachte, dass ich an diesem Tag sterben werde“. Aber er rettete sich in die Türkei – und überlebte.


Seitdem ist sein Drang zu helfen noch stärker geworden. „200 Operationen und über Tausend Sprechstunden gibt es im Monat allein in den Kliniken von Cap Anamur“, erklärt er. Die Organisation bildet in zwei Kliniken in Syrien und einer in Jordanien Ärzte weiter und versorgt selbst die Opfer des Bürgerkrieges. Die Ärzte vor Ort sind alle Syrer. „Es ist zu gefährlich für westliche Ärzte“, sagt Göken.


Die Arbeit ist lebensgefährlich – warum nehmen die Ärzte dieses Risiko auf sich?
„Es ist eine wunderbare Aufgabe, Menschen zu helfen“, sagt Göken. Dafür geben er und seine Kollegen zeitweise ihr Privatleben in Deutschland auf: „Wir haben in Aleppo Untergrundkliniken unterstützt.


Alle Ärzte schliefen gemeinsam in einem Keller unter ständigen Granatenhagel. Doch die Dankbarkeit der Menschen entschädigt für alles“, erklärt Göken. „Wir lassen uns nicht entmutigen. Wir helfen einfach weiter.“


Wenn er nicht im Krisengebiet ist, dann sitzt er meist in seinem Büro in Ehrenfeld. Von hier hält er Rücksprache mit den anderen Projektleitern weltweit. Es ist dann aber auch die Zeit zum Abschalten. Zeit, um die schrecklichen Bilder aus dem Kopf zu kriegen.


„Am liebsten gehe ich in Köln joggen. Dabei kriege ich den Kopf frei“, sagt der Meschenicher. Seine Ehefrau Claudia (44) lernte er 2001 bei einer Hilfsmission im Sudan kennen: „Sie hat das gleiche Hilfsbedürfnis. Sie hat Verständnis dafür, dass ich in die Krisengebiete fahre“, so Göken.


Und trotz der Gefahr und der psychischen Dauerbelastung wird es auch ihn wieder in die Krisengebiete der Welt ziehen, wohl auch nach Syrien: „Es gibt noch zu viel zu tun.“