Hilfsorganisationen für Rindfleisch-Lieferung an Nordkorea

Artikelinfo
Datum: 
15.02.2001
Quelle: 
tagesschau.de

Nachdem die Regierung von Nord-Korea über das Hilfskomitee Cap Anamur um deutsches Rindfleisch gebeten hat, mehren sich in Deutschland die Stimmen für eine derartige Lieferung in das hungergeplagte Nordkorea. Das Notärztekomitee unterstrich, wenn gesundes Fleisch der dortigen Bevölkerung zugänglich gemacht würde, wäre den Menschen geholfen und völlig sinnloses Töten von gesunden Rindern wenigstens teilweise überflüssig. Nach Ansicht der Deutschen Welthungerhilfe muss eine mögliche Ausfuhr von BSE-getestetem Rindfleisch nach Nord-Korea allerdings an strenge Auflagen geknüpft sein.

Bundesagrarministerin Renate Künast hält dagegen eine solche Lieferung für keine Lösung zur Bekämpfung der Hungersnot in Nordkorea. Cap Anamur betonte, es sei zwar nicht vertretbar, "unseren Überfluss" in Länder der sogenannten Dritten Welt zu schaffen, in denen man den einheimischen Markt zerstöre. In Nordkorea werde aber kein Markt zerstört. Dort hungerten die Menschen.

Fleisch muß bei Bevölkerung ankommen

Welthungerhilfe-Präsidentin Ingeborg Schäuble sagte dazu, sollte die Regierung in Pjönjang tatsächlich einen entsprechenden Fleischimport wollen, könne sich Deutschland nicht verweigern. Allerdings müsse sichergestellt werden, dass das Rindfleisch wirklich bei der hungernden Bevölkerung ankomme. Künast verwies darauf, dass bislang noch keine Anfrage aus Nordkorea bei ihr oder Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul eingegangen sei. Sie betonte: "Wenn Nordkorea will, soll es fragen. Wir werden das dann prüfen."

Künast unterstrich zugleich, zur Sicherung der Ernährung seien andere Lebensmittel wie Reis und Getreide notwendig. Die verbraucherpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Gudrun Kopp, unterstrich, sie halte es angesichts von weltweit 880 Millionen vom Hungertod bedrohten Menschen für eine Anmaßung zu argumentieren, dass mit einer solchen kostenlosen Fleischlieferung in ärmste Länder der dortige Markt gestört werden könnte.

Unterdessen verständigten sich Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber und Moskaus Oberbürgermeister Jurij Luschkow auf eine Rindfleischlieferung an die russische Hauptstadt. Moskau will demnach in den nächsten Monaten 100.000 Tonnen bayerisches Rindfleisch kaufen.