Hersbrucker bekämpft den Hunger in Nordkorea

Artikelinfo
Datum: 
21.10.2011
Autor: 
Lena Domaischel
Quelle: 
Hersbrucker Zeitung

 

HERSBRUCK (ld) - Jürgen Maul (49) aus Hersbruck arbeitet seit fünf Jahren für die Organisation Cap Anamur und engagiert sich derzeit besonders für deren Projekte in Nordkorea. Im Moment ist er für drei Wochen zu Hause, bevor es für ihn wieder zurück nach Bangladesch geht.

„Ich wollte etwas tun, endlich handeln und nicht immer nur darüber reden“, erklärt Jürgen Maul, warum er vor fünf Jahren beigetreten ist bei Cap Anamur. „Bei einer Reise durch Asien wurde der Gedanke immer konkreter und ich bewarb mich bei der Organisation.“ Die schickte ihn gleich als Techniker in den Sudan. In diesem Krisengebiet in Nordost-Afrika war er vor allem für den Einkauf von Medikamenten und deren Transport, die Buchführung und die Betreuung der Projekte vor Ort verantwortlich. „Cap Anamur vor allem deswegen, weil sie sich entschlossen haben, dem Leid auf der Welt nicht zuzusehen.“

Von der Welt abgeriegelt

Die Organisation engagiert sich derzeit für zwölf Projekte, überwiegend in Afrika und Asien. Besonders am Herzen liegt ihr Nordkorea. Das Land ist einer der wenigen, nach dem Zerfall des Ostblocks, verbliebenen stalinistischen Staaten und schottet sich von der Außenwelt ab. 2006 wurden alle Hilfsorganisation aus dem Land verwiesen und die Zustände verschlimmerten sich drastisch.

2011 überwand Nordkorea dann seinen großen Stolz und wandte sich an Cap Anamur. Sie baten um Nahrung, weil große Teile der Ernte durch den harten Winter zerstört wurden und eine Hungersnot herrschte. Geschäftsführer der Organisation, Bernd Göken, reiste im Mai zunächst mit 200 Tonnen Reis in das abgeschottete Land und sah sich einer extremen Situation gegenüber: Vor allem die Bewohner auf dem Land und die Kinder in den Waisenhäusern litten unter der Nahrungsknappheit.

Die dramatische Unterernährung und die ausgemergelten Gesichter schockierten Göken derart, dass Cap Anamur, um die Wartezeit bis zur nächsten Ernte Mitte September zu überbrücken, von Juli bis August einen zweiten Hilfstransport mit 1000 Tonnen Reis und 100 Tonnen Bohnen nach Nordkorea schickte. Mit dabei: Jürgen Maul.

Menschen weinen vor Glück

Er betreute die Reisverteilung vor Ort und besuchte die Waisen- und Krankenhäuser. „Die Menschen weinten vor Glück, als wir ihnen den Reis gaben und waren unendlich dankbar. Das waren sehr bewegende Bilder für mich“, erinnert er sich. Die Hilfe war bitter nötig und Cap Anamur bekam von der Regierung die Genehmigung für zukünftige Projekte in Nordkorea. Dabei wollen die Helfer vor allem die Krankenhäuser mit Medikamenten, Babynahrung und Instrumenten versorgen. „Nordkorea liegt mir persönlich sehr am Herzen und ich konnte selbst die Nahrung an die Menschen verteilen, die sie wirklich benötigten“, erzählt Maul.

Nach Hersbruck kommt er nur noch alle eineinhalb Jahre. Viel gereist ist er schon vor seiner Tätigkeit bei Cap Anamur. Für seine Mutter und seine Geschwister ist es also nichts Neues, dass er längere Zeit weg ist. Sie freuen sich, wenn er sich ab und an auch telefonisch bei ihnen meldet. „Ich komme immer wieder gerne in die Hersbrucker Schweiz und erhole mich hier, hier zu wohnen könnte ich mir aber nicht mehr vorstellen.“

Seine Projekte führen ihn von Land zu Land. Derzeit arbeitet er als Koordinator in Bangladesch. Dort kümmert er sich um die Verteilung kostenloser Medikamente an die staatlichen Krankenhäuser und versucht deren Standards zu verbessern. „Oft sind es kleine Sachen, wie Matratzen, die den Krankenhäusern fehlen, es gibt aber auch größere Probleme. Der Strom fällt zum Beispiel ständig aus. Um das zu ändern, installieren wir Solaranlagen, um eine eigene Stromversorgung zu ermöglichen.“

In Bangladesch bleibt er noch so lange, bis ihn ein anderer Notfall ruft, höchstens allerdings bis März 2012. „Meine Aufgabe ist es, Probleme zu lösen und als erfahrener Mitarbeiter die verschiedenen Projekte zu unterstützen. Meine Zukunft lässt sich schwer planen.“

Doch wie geht man mit so viel täglichem Leid um? „Ich wurde durch meine Reisen, vor allem in Indien, schon früh mit dem Leid und dem Sterben konfrontiert. Weiter machen lässt mich einfach die Hoffnung etwas zu verbessern und den Leuten zu helfen. Genau das ist mein Antrieb, zusammen mit all den schönen Momenten die man erlebt, denn auch davon gibt es sehr viele.“

An eine Nacht im Sudan erinnert er sich zum Beispiel noch ganz genau: „Ich war gerade auf dem Weg zum Bergkrankenhaus, als ich eine blutende Frau auf der Straße fand. Ich nahm sie mit und im Krankenhaus stellte sich dann heraus, dass sie dabei war, ein Kind zu gebären, das allerdings quer lag. Alle Ärzte und Krankenschwestern waren sofort im Einsatz und konnten per Kaiserschnitt beide Leben retten. Als wir uns dann früh morgens um fünf Uhr vor unserem Krankenhaus sitzend wieder fanden, wurde mir bewusst, dass es gut sei zu leben und etwas zu tun.“

Seine Entscheidung, sich damals vor fünf Jahren bei Cap Anamur beworben zu haben, hat er seither nie bereut. „Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben und hoffe, dass Cap Anamur noch vielen Menschen helfen kann.“

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