Intensivbetten für Nordkorea

Artikelinfo
Datum: 
20.11.2012
Autor: 
Andreas Helfer
Quelle: 
Rhein-Sieg-Anzeiger

Das kommunistische Land Nordkorea scheint sich zaghaft zu öffnen. Diese Erfahrung haben zumindest die Helfer von Cap Anamur gemacht. Mehrere Container mit medizinischen Gerät konnten sie bereits in die Hauptstadt von Nordkorea bringen.Troisdorf. 

Unheimlich und abgeschottet wirkt Nordkorea, eine der letzten Diktaturen stalinistischen Typs, die, wenn überhaupt, mit nuklearen Drohgebärden oder einigen wenigen Berichten über die katastrophale Lage der Bevölkerung von sich reden macht. Doch Helfer von Cap Anamur machen seit einiger Zeit die Erfahrung, dass sich das Land überaus zaghaft öffnet: Mehrere Container mit medizinischem Gerät konnte die Organisation in den vergangenen eineinhalb Jahren in die Hauptstadt Pjöngjang bringen.

Darunter war auch Material aus dem Troisdorfer Sankt-Josef-Hospital, gut erhaltene Intensivbetten, OP-Lampen, Monitore, Visitenwagen und anderes technisches Gerät. Im Vorstand von Cap Anamur engagiert sich die Hygiene -Beauftragte des Hospitals, Edith Fischnaller .

Bernd Göken, der bei den Transporten dabei war, spricht von einer „kleinen Sensation“. Früher seien solche Lieferungen, die der medizinischen Versorgung von Kindern zugute kommen, undenkbar gewesen. Die Zustände, die er schildert, sind nach westeuropäischen Maßstäben untragbar, auch wenn die Krankenhäuser gut mit Personal ausgestattet seien. Im Hospital kämen auf 250 Betten 115 Ärzte, alles sei blitzsauber. „Aber es fehlt alles für Diagnose und Therapie“, sagt Göken, der selbst ausgebildeter Krankenpfleger ist.

Riesig sei die Freude der Ärzte gewesen, als endlich dank der Hilfstransporte Medikamente zur Verfügung standen. Ein Chirurg habe sich besonders über OP-Lampen gefreut: „Endlich muss ich nachts nicht mehr im Schein der Taschenlampe operieren“, habe er gesagt. Infusionen wurden nach Gökens Beobachtung selbst gefertigt, Kochsalzlösung dazu in einer Wanne angerührt und am Schlauch mit dem Mund angesaugt, um sie in Flaschen zu füllen. Kinder in den Krankenhäusern seien oft unterernährt gewesen.

Vieles habe bizarr angemutet. So etwa die riesige U-Bahn in der Hauptstadt, in der alte Waggons aus Berlin fahren, oder die Tatsache, dass sehr viele Arbeiten noch ohne maschinelle Hilfe erledigt werden. Nach einem Taifun hat Göken nirgendwo einen Bagger gesehen, aber unzählige Nordkoreaner, die mit bloßen Händen aufräumten.

Cap Anamur wurde Göken zufolge von der politischen Führung des Landes bevorzugt und konnte auch Landesteile außerhalb Pjöngjangs aufsuchen. So sei er auch in Gegenden gekommen, die für andere Organisationen unzugänglich waren. Die humanitäre Situation sei dort noch schlimmer. Die jetzige, vorsichtige Öffnung könne mit dem Machtwechsel vom verstorbenen Kim Jong-Il zu dessen Sohn Kim Jong-Un zusammenhängen.

Cap Anamur wurde 1979 von Christel und Rupert Neudeck gegründet. Heute leistet der Verein weltweit Hilfe, wobei medizinische Versorgung und der Zugang zu Bildung im Vordergrund stehen. In Kriegs- und Krisengebieten soll das Leben dauerhaft verbessert werden, durch die Instandsetzung und den Aufbau von Krankenhäusern und Schulen, Aus- und Weiterbildung einheimischer Mitarbeiter sowie die Bereitstellung von Baumaterialien, Hilfsgütern und Medikamenten.

Link zum Artikel: http://www.ksta.de/troisdorf/cap-anamur-intensivbetten-fuer-nordkorea,15189204,20919420.html