Wiederaufbau und medizinische Hilfe für die Opfer von Haiyan

Artikelinfo
Datum: 
10.01.2014
Autor: 
Office Cap Anamur

Als pazifischer Inselstaat sind die Philippinen stets den Gefahren tropischer Wirbelstürme ausgesetzt. Anfang November 2013 peitschte jedoch ein Taifun mit ungewöhnlicher Zerstörungskraft über die Inseln. Mit über 300 km/h verwüstete Taifun Haiyan ganze Dörfer, schnitt Kommunikations- und Verkehrswege ab und ließ tausende Todesopfer, hunderttausende Verletzte und Obdachlose zurück.

Besonders stark hat es die Region Visayas im Zentrum der Philippinen getroffen. Viele kleinere Inseln in diesem Gebiet waren fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Auf Hilfslieferungen warteten die Bewohner in den ersten Tagen und Wochen vergeblich. So auch die knapp 5.000 Einwohner der Insel Doong. Ausgerüstet mit dringend benötigten Lebensmitteln, Medikamenten, Decken und Zelten hat Cap Anamur umgehend ein Helferteam zusammengestellt und es auf die Insel geschickt.

Nach der ersten Notversorgung konnte sich unser erfahrener Logistiker Volker Rath einen Eindruck von der Zerstörung vor Ort machen. Bis auf wenige Steinhäuser hat der Taifun alle Gebäude der beiden Inseldörfer Doong und Luyongbaybay zerstört. Schnell wurde klar, dass umfassende Aufbauhilfe geleistet werden muss. Die Beschaffung von Baumaterialien war und ist allerdings eine große logistische Herausforderung. Zwar können einige Überreste der verwüsteten Häuser für den Wiederaufbau recycelt werden. Doch muss der Löwenanteil der Materialien mit dem Boot von der südlich gelegenen Insel Cebu eingeschifft werden.

In einer solchen Situation ist eine exakte Planung von entscheidender Bedeutung. In Absprache mit den örtlichen Behörden kann der Aufbau wichtiger Gebäude wie Wohnhütten, Schulen und Gesundheitseinrichtungen gewichtet und gesteuert werden. Gemeinsam mit unseren Technikern Andreas Herr und Jürgen Maul und einheimischen Helfern machte sich Rath an die Arbeit. Die Baumaßnahmen an der Grundschule von Luyongbaybay sind bereits gestartet, damit der Unterricht so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden kann. Auch der umfangreiche Wiederaufbau der Familienhäuser zeigt bereits Erfolge: Das erste Dorf mit 55 Häusern ist fertig gestellt und den Dorfbewohnern übergeben worden.

Parallel hat unser Arzt Dennis Gutmann das Gesundheitscenter in Betrieb genommen und mit der medizinischen Betreuung der Kranken und Verletzten begonnen. Tatkräftige Unterstützung hat er vom Cap-Anamur-Vorstandsvorsitzenden und Kinderarzt Dr. Werner Strahl und unserer Krankenschwester Yasmin Hiller bekommen. Gemeinsam mit zwei einheimischen Health Workern und einer Hebamme bilden sie ein effektives Gesundheitsteam für die Bewohner von Doong.

Von den knapp 60 Patienten, die täglich behandelt werden, ist jeder zweite unter zehn Jahre alt. „Neben Fieber, Atemwegsinfektionen und Hauterkrankungen leiden viele Patienten unter infizierten Wunden, Verbrühungen und Verbrennungen“, berichtet Gutmann. Die beiden Nachbarinseln Botigues und Lipayran im Norden und Süden von Doong werden ebenfalls mitversorgt. Regelmäßig fahren Dennis Gutmann und Yasmin Hiller mit einer kleinen mobilen Klinik die beiden Inseln an und kümmert sich um die Hilfebedürftigen.

Das Cap Anamur-Team hat in kurzer Zeit Beachtliches geleistet. Um eine nachhaltige Verbesserung der Situation auf Doong zu bewirken, gibt es allerdings noch eine Menge zu tun. Die meisten Bewohner lebten von den Erzeugnissen ihrer Landwirtschaft und der Fischerei. Da der Taifun weite Teile der Ernte und des Equipments zerstört hat, sind die Menschen weiterhin auf die Versorgung mit Lebensmitteln, frischem Trinkwasser und kostenfreien Medikamenten angewiesen. Zudem warten zahlreiche Familien auf die Fertigstellung ihrer neuen Häuser, während die Anlieferung der Baumaterialien viel Zeit und logistischen Aufwand in Anspruch nimmt.

Wir danken allen Spendern für Ihre Unterstützung in der akuten Phase der Nothilfe. Um auch den nachhaltigen Wiederaufbau gewährleisten zu können, ruft Cap Anamur weiterhin zu Spenden für die Opfer der Sturmkatastrophe auf den Philippinen auf.

cg