Behinderte in Serbien benötigen dringend unsere Hilfe!

Artikelinfo
Datum: 
30.09.2001
Autor: 
Nani van der Ploeg

Kulina liegt etwa 40 km von Nis entfernt. Der Name stand früher für ein Freizeitzentrum, idyllisch in einem Wald gelegen. Heute ist es Synonym für ein Behindertenheim, zu dem eine schlecht befestigte Straße führt. Weit ab vom Schuß, mit schlechten Busverbindungen in die entfernte Stadt.

Als wir vor einem halben Jahr anfingen, in Kulina zu arbeiten, fanden wir katastrophale Bedingungen vor, in denen insbesondere die schwerstbehinderten Kinder und Erwachsenen lebten mußten.

Bevor überhaupt die eigentliche Arbeit mit den Behinderten anfangen konnte, mußten einige Grundvoraussetzungen für ein menschenwürdiges Dasein geschaffen werden. Das hieß, einige der Häuser zu sanieren und die Wasserversorgung sicherzustellen. Diese Arbeiten werden in Zusammenarbeit mit dem THW durchgeführt.

In der Zwischenzeit ist das Projekt in ganz Serbien bekannt, weil die Zustände in dem Heim auch immer wieder im serbischen Fernsehen gezeigt wurden. Immer wieder wurde aber auch darauf hingewiesen, daß Cap Anamur tätig geworden ist und man hofft, daß sich die Zustände positiv verändern werden.

Das können wir jetzt bereits konstatieren. Wir haben mit Hilfe der Ärztin Dr. Elisabeth Niemann die Arbeit angefangen, die mit großem persönlichen Engagement und einem Ausbildungsprogramm für das Pflegepersonal einen unermüdlichen Einsatz gebracht hat. Einen Einsatz für 363 Kinder, die die unterschiedlichsten Behinderungsgrade geistiger und körperlicher Art aufweisen und von denen eine Vielzahl sicherlich mit entsprechender Förderung in ein fast normales Leben integriert werden können.

Viele Kinder sind seit der Geburt nicht aus ihren Betten gekommen. Sie haben nie gelernt zu laufen, selbständig zu essen oder sich anzuziehen. Hier ist weiterhin dringend krankengymnastische und physiotherapeutische Hilfe erforderlich. Aus diesem Grunde suchen wir immer noch hier in Deutschland erfahrene Mitarbeiter, die sich für mindestens ein halbes Jahr verpflichten, in Kulina tätig zu werden und dort vor allen Dingen die Aufgabe haben, das örtliche Pflegepesonal zu schulen und entsprechend anzuleiten.

Neben den Kindern wohnen auch noch 233 behinderte Erwachsene in Kulina, die wegen mangelnder Beschäftigung kaum leben, eher vor sich hinvegetieren. Auch hier ist es sogar bereits kurzfristig möglich, einen großen Teil dieser Menschen aus ihrer Isolation herauszuholen und sie mit sinnvoller Beschäftigung in den normalen Tagesablauf des Heims, das auf Selbstversorgung ausgerichtet ist, zu integrieren.

Von der baulichen Seite her ist in Kulina bereits eine Menge geschehen. Von ärztlicher und pflegerischer Seite tun wir zur Zeit das, was wir können. Ebenfalls haben wir zusätzliches Personal bei der serbischen Regierung angefordert, weil sich die Anforderungen und Aufgaben zur Zeit kaum erfüllen lassen.

Aber nochmals, uns fehlen qualifizierte, erfahrene Mitarbeiter (Krankengymnasten/innen und Physiotherapeuten/innen und/oder Heilpädagogen/innen), die bereit sind, uns bei dieser schwierigen Aufgabe zu helfen.