Lübecker Frachter "Cap Anamur" hat Afrika erreicht - Hilfe für Sierra Leone

Artikelinfo
Datum: 
23.03.2004
Autor: 
Christine Gottlob
Quelle: 
Lübecker Nachrichten

Es war ein guter Tag für die Waisenkinder des St.-Martins-Orphanage in Port Loko. Sie bekamen Schreibmaschinen in die Arme gedrückt. Schreibmaschinen, die ihnen vielleicht ein Stück ihres Weges in eine bessere Zukunft ebnen können. "Wir wollen den Jugendlichen berufliche Perspektiven geben", sagt Elias Bierdel, Vorsitzender der Hilfsorganisation "Cap Anamur". Er hatte die Schreibmaschinen im Gepäck - in einem Container im Laderaum des Hilfsgüterfrachters "Cap Anamur".

Knapp drei Wochen nachdem der Frachter seinen Heimathafen Lübeck verlassen hat, ist er nun im afrikanischen Krisengebiet angekommen. Die Crew bringt Medikamente, medizinische Geräte und die von Lübecker Bürgern gespendeten Schreibmaschinen nach Westafrika. Hilfe ist in dem nach UN-Angaben ärmsten Land der Welt dringend nötig. Nach 14 Jahren Bürgerkrieg seien die Verhältnisse laut Bierdel "nicht stabil". Er weihte im Norden Sierra Leones auch zwei Gesundheitszentren ein. Die so genannten "Healthposts" bestehen jeweils aus Ambulanzhaus, Wohngebäude, Lager- und Laborraum, Toiletten sowie einem öffentlichen Brunnen.

Inzwischen ist die "Cap Anamur" in Liberia eingetroffen. In drei bis vier Tagen soll der Frachter Richtung Angola auslaufen. "Wenn alle Güter abgeliefert sind, werden wir unser Schiff als Transportmittel anbieten, um Menschen nach Hause zu bringen", sagt Bierdel. 8000 Männer, Frauen und Kinder, die während des Bürgerkriegs in Sierra Leone nach Liberia geflüchtet sind, möchten zurück in ihr Heimatland. Bereits beim letzten Einsatz der Hilfsorganisation in Afrika hatten zahlreiche Bürgerkriegsflüchtlinge um Hilfe gebeten. Damals konnten Bierdel und seine Mitarbeiter nichts für sie tun, da ihr Schiff nur gechartert war und die Reederei die Mitnahme untersagte.

Aus diesem Grund hatte sich "Cap Anamur" entschlossen, ein Schiff zu kaufen. Mit dem eigenen Frachter können die Helfer nun, so Elias Bierdel, "die Menschen nach Hause bringen, die wir damals stehen lassen mussten". Allerdings benötigt die Crew dafür noch bis zu 500 Schwimmwesten. Die Hilfsorganisation hofft auf gespendete Westen, die in den kommenden Tagen nach Afrika gesendet werden sollen (siehe unten).

Dass der Frachter die kommenden Aufgaben gut bewältigen kann, daran zweifeln weder Elias Bierdel noch Kapitän Stefan Schmidt. "Das ist ein gutes Schiff. Wir können stolz darauf sein", sagt Schmidt, der den 90 Meter langen und über 20 Jahre alten Frachter von Lübeck bis Afrika steuerte. Die Überfahrt sei ohne Komplikationen verlaufen. "Wir hatten viel Glück mit dem Wetter und ruhige See", erzählt Elias Bierdel. Betroffen ist er von einem Erlebnis beim Zwischenstopp in Gran Canaria: "Dort erzählten man uns, dass Flüchtlinge aus Afrika versuchen, die Kanaren zu erreichen. Wir haben nach ihren Booten Ausschau gehalten, aber keines entdeckt." Die Flüchtlinge erinnern ihn an die vietnamesischen Boatpeople. Mit deren Rettung begann vor 25 Jahren die Geschichte der Hilfsorganisation.

...und wer hat Rettungswesten? 

Nach der großen Resonanz aus Lübeck und Umgebung auf die Schreibmaschinen-Spendenaktion für Cap Anamur hofft die Hilfsorganisation erneut auf Unterstützung. Elias Bierdel, Vorsitzender von Cap Anamur, bittet um Schwimmwesten, damit der Frachter Flüchtlinge aufnehmen und unter den nötigen Sicherheitsvorkehrungen nach Hause bringen kann.
Gebrauchte und neue Schwimmwesten nimmt das Seemannsheim der "Deutschen Seemannsmission in Lübeck e.V.", An der Untertrave 1 ( Tel. 79 93 70), bis kommenden Sonnabend täglich von 8 bis 21 Uhr entgegen.