Castroper Ärztin half sechs Monate in Sierra Leone

Artikelinfo
Datum: 
21.04.2011
Quelle: 
Ruhr Nachrichten

CASTROP-RAUXEL Die Castrop-Rauxeler Ärztin Meike Massmann hat sich ein halbes Jahr lang für die deutsche Hilfsorganisation Cap Anamur in Sierra Leone aufgehalten, um dort in der Hauptstadt Freetown am einzigen Kinderkrankenhaus des gesamten Landes ärztliche Hilfe zu leisten.

In fast keinem anderen Land liegen Geburt und Tod so nah beieinander wie in Sierra Leone. Jedes vierte Kind erlebt seinen fünften Geburtstag nicht. Schuld daran ist die weit verbreitete Unterernährung, sie schwächt die Kinder.

Runde 200 Kinder täglich in Betreuung

Das westafrikanische Land von der Größe Bayerns braucht weiterhin Hilfe von außen. Das Cap Anamur-Team in Freetown macht diese Erfahrung immer wieder aufs Neue. Tag für Tag kommen rund 200 Kinder mit schwerer Malaria, Typhus und Verbrennungen in die Einrichtung. Derzeit ist sie die einzige Kinderklinik des Landes.

Die sechs Wochen alte Fatima beispielsweise kam mit einer schweren Lungenentzündung ins Krankenhaus, sie atmete flach und hatte blaue Lippen. „Die Eltern hatten die Hoffnung fast aufgegeben - angesichts des dramatischen Zustandes durchaus verständlich“, erinnert sich Meike Massmann. Zur Überraschung aller überlebte sie nicht nur die Nacht, sondern war am nächsten Morgen schon wieder verhältnismäßig munter.

„Bis zur Entlassung kam mir die Mutter, wann immer ich die Station betrat, freudestrahlend mit ihrer Tochter auf dem Arm entgegen. Fatima hatte einen schweren Start, aber sie hat sich durchgekämpft“, sagt die Ärztin. Der Dankesbrief der Familie und das Foto der beiden gehören zu ihren schönsten Erinnerungen an ihre Zeit in Sierra Leone.

Kleine Erfolge für viel Arbeit

Seit fast zwei Jahren wird das Krankenhaus mit der Hilfe von Cap Anamur betrieben. Und die Patientenzahlen steigen ständig. Um dem immensen Bedarf gerecht zu werden, wurde ein weiteres Stockwerk mit Platz für etwa 60 zusätzliche Betten gebaut. So können insgesamt rund 200 Kinder stationär versorgt werden. Die lokalen und deutschen Mitarbeiter bewältigen unter schwierigen Umständen ein großes Arbeitspensum und motivieren sich mit jedem kleinen und großen Erfolg.

 

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