Die Furcht vor dem Ebola-Virus in Europa wächst

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Datum: 
17.10.2014
Quelle: 
WAZ

Die Furcht vor dem Ebola-Virus in Europa wächst

Soldaten des Sanitätsdienstes der Bundeswehr werden im Umgang mit hochansteckenden Patienten geschult. Foto: dpa

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Soldaten des Sanitätsdienstes der Bundeswehr werden im Umgang mit hochansteckenden Patienten geschult. Foto: dpa

Essen.  Die Furcht vor einer Ausbreitung des Ebola-Virus' in Europa wächst. Die Bundesregierung hat einen Ebola-Beauftragten ins Krisengebiet geschickt, und die Bundeswehr bildet Freiwillige für den Einsatz im Kampf gegen Ebola aus. Die Gefahr, dass das Virus auf andere Länder übergreift, steigt täglich.

Die Zahl der Ebola-Erkrankten wächst rasant. Jeder Infizierte kann zahlreiche weitere Menschen anstecken. Wird der Kampf gegen das Virus nicht drastisch und schnell verstärkt, könnten pro Woche 10.000 neue Infektionen hinzukommen. Und die Gefahr, dass das tödliche Virus auf andere Länder übergreift, wächst täglich . Was wird gegen die Krise getan?

Am Wochenende reiste der Sonderbeauftragte der Bundesregierung nach Liberia. Walter Lindner soll die Hilfe vor Ort koordinieren. Er selbst spricht von einer „Mega-Aufgabe“. Lindner soll dabei helfen, die Infektionsketten zu unterbrechen, das schwache Gesundheitssystem zu stabilisieren, Hilfsnetzwerke einzurichten und die Verbreitung des Virus zu stoppen. Lindners Benennung gilt als Zeichen, dass sich die Bundesregierung nach langem Zögern im Ebola-Kampf engagieren will.

Bundeswehr-Freiwillige im Einsatz

Die Bundeswehr hat ihre Soldaten aufgerufen, sich freiwillig für einen Einsatz im Ebola-Gebiet in Westafrika zu melden. Nach der ersten Auswertung kommen 565 Personen infrage, die noch ärztlich untersucht werden müssen.

Nach Angaben der Bundeswehr werden die Auserwählten fünf Tage lang auf einem Bundeswehr-Gelände in Hamburg auf ihren Einsatz vorbereitet. Jeder Helfer wird nach vier Wochen wieder ausgewechselt. Sollte sich ein Bundeswehrsoldat mit dem Ebola-Virus infizieren, könnte er im MedEvac-Airbus behandelt werden, der mit 20 Isolierzellen ausgestattet wird.

Erste Hilfsprojekte - Duisburger vor Ort

Als eines der ersten deutschen Teams war die Duisburger Hilfsorganisation ISAR Germany in Liberia . In den vergangenen Wochen errichteten sie in der Hauptstadt Monrovia zwei Isolierstationen für insgesamt 44 Patienten. Das Projekt schlug mit 580.000 Euro zu Buche, die überwiegend von der Else Kröner-Fresenius-Stiftung aufgebracht wurden.

Michael Lesmeister, Geschäftsführer und technischer Einsatzleiter von ISAR Germany, beklagt die geringe Spendenbereitschaft der Bevölkerung: „Das Spendenaufkommen ist verschwindend gering. Ich kann es mir nicht erklären“, sagte Lesmeister unserer Redaktion. Weitere Hilfseinsätze seien denkbar, doch dafür fehle das Geld. „Aus eigener Kraft können wir die Mittel nicht aufbringen.“

Auch das Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI) beobachtet, dass sich die Hilfsorganisationen mit ihren Spenden-Appellen zurückhalten. „Es gibt zu viele Krisen und Ebola ist ein ganz schwieriges, schwer vermittelbares Thema“, erklärt das DZI. So wundert es nicht, dass die Caritas für die Ebola-Prävention bisher nur 11.000 Euro, für die Bedürftigen im Irak in diesem Jahr jedoch fünf Millionen Euro Spenden sammeln konnte.

Die Arbeit vor Ort

Nach Ansicht der deutschen Ärztin Sara Hommel, die drei Monate lang für den gemeinnützige Verein „Cap Anamur - Deutsche Not-Ärzte e.V“ in Sierra Leone arbeitete, ist die Lage vor Ort gefährlich. Es gebe zu wenig von allem. Die Isolierstationen seien überfüllt, die Ebola-Behandlungszentren ebenfalls.

Die Verteilung von Schutzanzügen verlaufe mangelhaft. „Häufig gibt es zu wenig Anzüge.“ Das Anlegen des Ganzkörperschutzes sei ein weiteres Problem. Dieses erfolge in 40 Schritten, die man in einem achtstündigen Seminar erlerne. „Wer die Reihenfolge nicht einhält und wer beim Ausziehen den Anzug mit der eigenen Haut berührt, begibt sich in Lebensgefahr“, sagt Sara Hommel.

Als größtes Problem bezeichnet die Ärztin den Personalmangel. Afrikanisches Personal werde immer rarer. Viele Ärzte und Schwestern hätten sich bereits infiziert und schreckten andere Kollegen von der Arbeit ab. Ärzte, die noch arbeiteten, seien bis zu 16 Stunden im Einsatz. „Da passieren Fehler.“

Essen. Die Furcht vor einer Ausbreitung des Ebola-Virus' in Europa wächst. Die Bundesregierung hat einen Ebola-Beauftragten ins Krisengebiet geschickt, und die Bundeswehr bildet Freiwillige für den Einsatz im Kampf gegen Ebola aus. Die Gefahr, dass das Virus auf andere Länder übergreift, steigt täglich.

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