Klinikärztin aus Osnabrück hilft in Ebola-Region

Artikelinfo
Datum: 
19.10.2014
Quelle: 
Osnabrücker Zeitung

Hawanatu Jah geht nach Sierra Leone

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Hawanatu Jah (Mitte) wagt sich ins Zentrum der Fieber-Epidemie nach Westafrika, das gleichsam ihre Heimat ist. Sieben Wochen lang müssen Yves Garnier, Chefarzt für Frauenheilkunde am Klinikum Osnabrück, und Stationsleiterin Sylvie Schuhmacher auf die Ärztin aus Sierra Leone verzichten. Foto: Klinikum Osnabrück

Osnabrück. Bei der Reise nach Sierra Leone ist für Hawanatu Jah diesmal alles ganz anders: Die junge Ärztin vom Klinikum Osnabrück, deren Vater aus Sierra Leone stammt, gehört zu den ersten Medizinern aus Deutschland, die Hilfe in dem von der Ebola-Epidemie betroffenen Land leisten.

Jah ist am 12. Oktober nach Sierra Leone abgereist. Sie wird sieben Wochen lang in einem Kinderkrankenhaus in der Hauptstadt Freetown arbeiten, das medizinische Grundversorgung anbietet.

„Seit Anfang Juli sind alle medizinischen Einrichtungen in Sierra Leone geschlossen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen erhalten die Menschen überhaupt keine medizinische Hilfe mehr“, berichtet Hawanatu Jah. „Selbst ganz normale Erkrankungen wie Malaria oder Durchfall können jetzt tödlich enden. Und wenn jemand einen offenen Beinbruch hat oder eine andere blutige Verletzung, traut sich schon niemand mehr an ihn heran.“

Einsatz unter Vollschutz

Betreiber des Kinderkrankenhauses Ola During , in dem Jah ihren Einsatz versieht, ist die Hilfsorganisation Cap Anamur. Jah meldete sich gezielt für die Arbeit in dem Hospital, nachdem sie es bei ihrem letzten Aufenthalt in Sierra Leone vor etwa einem halben Jahr kennengelernt hatte.

Auch wenn in dem Haus nicht direkt Ebola-Patienten behandelt werden, ist der Einsatz trotzdem gefährlich . Um zu verhindern, dass infizierte Patienten in das 250-Betten-Haus gelangen, wird in einem Nachbargebäude gerade eine Isolierstation eingerichtet, in der neu aufgenommene Patienten auf Ebola untersucht werden. Jah trägt bei der Arbeit einen Vollschutzanzug. „Die Station wird in Anlehnung an die Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation WHO mit drei Sicherheitsbereichen gebaut. Aber es ist nie auszuschließen, dass doch ein infizierter Patient in das Krankenhaus gelangt. Deswegen müssen wir uns schützen.“

Lokale Katastrophe, globales Problem

Ebola wird durch Körperflüssigkeiten übertragen, mit denen die Mediziner bei der Arbeit in Berührung kommen. „Medikamente geben wir zum Beispiel möglichst in Tabletten und nicht mit Spritzen, um die Anzüge nicht zu gefährden“, erklärt die Ärztin aus Osnabrück. Auch außerhalb der Arbeitszeit sei gut für sie gesorgt: Jah und Kollegen sind in einem Gästehaus untergebracht, das Cap Anamur bereitstellt. Auch die Versorgung sei gesichert.

„Ausschlaggebend war für mich die absolute Notsituation , in der sich Sierra Leone durch Ebola befindet“, sagt die 32-Jährige. Das Land, das laut Vereinten Nationen zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt gehört, sei mit der Ebola-Epidemie absolut überfordert. Sierra Leone stehe vor einer Situation, aus der es ohne Hilfe von außen keinen Ausweg mehr gibt. Hawanatu Jah: „Ebola ist eine lokale Katastrophe, aber ein globales Problem.“

Es fehle an geeignetem Personal, aber auch an Material, Medikamenten und Geld. Zur Eindämmung der Seuche sei es notwendig, Ebola-Zentren einzurichten und die Erkrankten und Infizierten zu isolieren. Zugleich müsse noch viel mehr Aufklärung geleistet werden. „Alles, was bisher gemacht wurde, reicht bei Weitem nicht aus.“

Ausgangssperren, wie sie zuletzt verhängt wurden, würden die Menschen zusätzlich belasten, weil sie es nicht gewohnt seien, sich für einen längeren Zeitraum mit Vorräten einzudecken. „Es hat dort niemand einen Kühlschrank, also können Lebensmittel nicht gelagert werden.“ Ihren in Sierra Leone lebenden Angehörigen geht es, so weit die Osnabrücker Ärztin weiß, bisher gut. Aber auch sie litten unter den Einschränkungen.

Rückkehr in die Heimat

Hawanatu Jah verbrachte die ersten Jahre ihrer Kindheit in Bo, der zweitgrößten Stadt Sierra Leones. Anschließend wuchs sie in Lienen auf und machte in Lengerich Abitur. Nach dem Studium in Gießen arbeitete sie in Berlin und ist jetzt seit einem Jahr in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum Osnabrück beschäftigt. Für die Dauer ihrer Abwesenheit hat das Krankenhaus eigens die Dienstpläne umgestellt.

Die Ärztin hofft, mit ihrem Einsatz auch für Cap Anamur werben zu können. Die Organisation sei dringend auf Spenden angewiesen, betont sie. Neben dem Kinderkrankenhaus betreibt Cap Anamur noch ein Heim für Straßenkinder in Freetown. Dort ist auch der Sozialarbeiter Ole Hengelbrock (26) aus Borgloh beschäftigt.