Zurück aus Sierra Leone: Essener Kinderarzt im Kampf gegen Ebola

Artikelinfo
Datum: 
25.08.2014
Autor: 
Bettina Papenfuß
Quelle: 
WDR Studio Essen

Momentan vergeht kein Tag, an dem es keine neue Schreckensnachrichten im Zusammenhang mit Ebola gibt. Allein in Sierra Leone sind schon mehr als 1500 Menschen erkrankt, die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich viel höher. Der Essener Kinderarzt und Vorsitzende der Hilfsorganisation cap anamur, Werner Strahl, war jetzt 10 Tage in Sierra Leone, um sich einen Eindruck von der Situation zu verschaffen.

 

Kinderarzt im Einsatz gegen Ebola

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Kinderarzt

Konkret hieß das für den 70-järhigen, der seit mehr als 30 Jahren für die Hilfsorganisation cap anamur arbeitet, sich mit anderen Organisationen zu beraten, mit Regierungsvertretern zu sprechen, Pläne zu entwickeln und neue Mitarbeiter für weitere Hilfe zu gewinnen. Bislang gibt es keinen Impfstoff gegen Ebola. Nach Angaben von cap anamur hat die Regierung in Sierra Leone viel zu lange gewartet, etwas gegen die Epidemie zu tun.

Die Epidemie weitet sich aus

Dr. Strahl mit einem dunkelhäutigen Kind auf den Schultern

Dr. Strahl in Sierra Leone

Erst seit die Weltgesundheitsorganisation WHO den Notstand für das westafrikanische Land ausgerufen hat, gibt es Maßnahmen: Soldaten kontrollieren Menschen bei Straßen-Stopps und suchen gezielt nach Infizierten, und es gibt Container mit Chloridwasser, damit sich die Menschen die Hände waschen können, um sich vor der Krankheit zu schützen. Dennoch infizieren sich immer mehr Menschen und die Angst geht um. Gleichzeitig sinkt das Vertrauen in Medizin und Ärzte. Nach Angaben von cap anamur gebe es kaum mehr ein Krankenhaus, in dem normal gearbeitet werde. Viele Patienten, Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern fliehen- weil sie vermuten, dass gerade in Krankenhäusern das Risiko beosnders hoch sei, sich zu infizieren.

Auch im cap anamur-Krankenhaus Fälle von Ebola

Werner Strahl von cap anamur hat einen Fall von Ebola und die Folgen für das 250-Betten-Krankenhaus in Freetown miterlebt. In das Kinderkrankenhaus des Vereins war ein dreijähriges Kind eingeliefert worden, das an Ebola erkrankt war. Weil das Kind mit anderen Patienten, den Angehörigen, Ärzten und Schwestern in Kontakt war, mussten alle Betroffenen 21 Tage lang in Quarantäne. Aus Panik vor weiteren Ebola-Fällen sind die übrigen Ärzte auch nicht mehr zum Dienst erschienen, sodass kein normaler Krankenhausbetrieb mehr möglich war. Jetzt überlegen die Verantwortlichen, Kinder mit Verdacht auf das weit verbreitete Malaria, ambulant zu behandeln und mit Medikamenten zu versorgen.

Aufklärung als Schutz

Im Kinderkranenhaus von Cap Anamur

Im Kinderkranenhaus von Cap Anamur

In Sierra Leone fehlt es an allem: Es gibt kaum Krankenhäuser, landesweit nur zwei Labors, es gibt keine Schutzanzüge mehr, es gibt viel zu wenige Ärzte und kein Geld. All dies wäre aber dringend notwendig, um die Epidemie zu bekämpfen. Normalerweise müssten große, zentrale Isolationsstation eingerichtet werden, um infizierte und gesunden Menschen voneinander zu trennen. Da es dies bislang nicht gibt, setzen die Hilfsorganisationen alles daran, die Menschen möglichst gut aufzuklären: Mundschutz und Handschuhe können das Risiko minimieren, eine Begrüßung per Handschlag schon lebensgefährlich sein. Daher sollen die Menschen auf diese Rituale zu verzichten. Das sei in einem Land, in dem die Menschen sehr herzlich miteinander umgehen, allerdings sehr schwierig. Einen Sicherheitsabstand von zwei Metern einzuhalten, sei in einer großen Stadt wie der Hauptstadt Freetown völlig unmöglich.

Die Lage ist mehr als bedenklich

Werner Strahl von cap anamur, der in vielen Krisenregionen der Welt gearbeitet hat, sieht nach seiner Reise keinen Grund für Optimismus. Sierra Leone allein könne das Problem dieser furchtbaren Epidemie nicht lösen. Der Essener Kinderarzt steht mit der WHO in Kontakt, wirbt neues Personal an, das in die Gefährdungsregionen geht. Das Problem Ebola kann seiner Meinung nach nur durch eine internationale, kombinierte Aktion gelöst werden, unter Führung der WHO.