Aschaffenburgerin rettet Babys im Sudan

Artikelinfo
Datum: 
24.04.2010
Quelle: 
Primavera 24 primavera24.de

ASCHAFFENBURG. Sie ist eine Frau mit viel Mut. Die Aschaffenburgerin Manuela Bell ist für die Hilfsorganisation Cap Anamur im Sudan tätig, eines der ärmsten und gefährlichsten Entwicklungsländer in Afrika. Seit Oktober letzten Jahres arbeitet sie in einem Krankenhaus in Lwere in den Nuba-Bergen, das aus Lehm- und Strohhütten sowie ein paar festen Gebäuden besteht, ohne fließendes Wasser, Strom kommt von Solarzellen. Hier bildet die gelernte Hebamme Frauen in Geburtshilfe aus und fort, damit weniger sudanesische Mütter und Kinder bei der Geburt sterben.

Es sind nur ein paar Stunden Flug von Deutschland aus, dennoch ist der Sudan eine völlig andere Welt. Es droht ein erneuter Bürgerkrieg, die medizinische Versorgung ist so gut wie nicht vorhanden. Hier arbeitet Manuela Bell unter widrigsten Bedingungen in einem Krankenhaus, vermittelt Hebammen und einer Hebammen-Schülerin ihr Wissen. "Die Schwangeren und sogar Gebärende laufen zum Teil viele Stunden, bis sie unser Krankenhaus erreichen und Hilfe bekommen. Es ist unglaublich, was diese Frauen aushalten", erzählt die 39-Jährige.

Es gibt keinen Arzt

Die Frauen bringen ihre Kinder fast immer zu Hause mit Hilfe einer Dorfältesten zur Welt. Bei Vorsorgeuntersuchungen werden den Schwangeren von den Hebammen zwei Schnüre zur Abnabelung und Jod zum Desinfizieren der Nabelschnur ausgehändigt, um Infektionen durch unsachgemäße Abnabelung vorzubeugen. Wenn es Komplikationen gibt, kommen die Gebärenden zu Bell. Etwa 15 Entbindungen nehmen sie und ihre Kolleginnen im Monat vor - in einem sehr einfach eingerichteten Entbindungszimmer. Auch die Patienten- und Behandlungsräume sind karg. "Aber wir haben alles, was wir brauchen", versichert die Entwicklungshelferin. Neben den Entbindungen arbeitet Bell im Labor der Klinik, in der Sprechstunde für Erwachsene und führt kleine Operationen durch, einen Arzt gibt es in Lwere nicht. Auch das Verteilen von Kondomen und die Sexualaufklärung übernimmt die ehemalige Haibacher Kindergärtnerin in dem zum Teil muslimisch geprägten Land. 

"Ich kann nicht jedes Leben retten"

Nicht nur für ihre Schülerinnen, auch für Bell ist die Arbeit im Sudan ein Lernprozess. "Ich musste damit zurechtkommen, dass hier nicht jedes Leben gerettet werden kann. Zehn Tage nach meiner Ankunft musste ich einem Säugling quasi beim Sterben zusehen. Das war sehr hart", erinnert sich die Aschaffenburgerin. "Geholfen hat mir, dass die Mütter und Familienangehörigen generell eine andere Einstellung zum Tod haben. Sie akzeptieren ihn als gottgegeben. Dennoch bleibt es unglaublich frustrierend: Ich bin seit 15 Jahren Hebamme. So viele späte Fehlgeburten und totgeborene Babys habe ich in den letzten fünf Jahren nicht gesehen, wie im Sudan in meinen ersten Wochen. Das verdeutlicht, wie wichtig unsere Arbeit hier ist." Sie bereut nicht, dass sie nach Afrika gegangen ist. "Ich wollte schon immer Entwicklungshelferin werden. Die Dankbarkeit der Menschen ist rührend und man lernt, sich auf die wesentlichen Dinge im Leben zu konzentrieren." Im August wird Manuela Bell die Nuba-Berge verlassen, um Cap Anamur in Haiti zu unterstützen. "Bald werden ich den Hebammen vor Ort alles Wichtige beigebracht haben. Dann ist meine Aufgabe erfüllt. Ich gehe dahin, wo ich gebraucht werde und nicht dahin, wo es schön ist", sagt sie. "Nicht ich stehe im Mittelpunkt meiner Arbeit, sondern die Menschen."

Cap Anamur

Die Hilfsorganisation wurde 1979 gegründet und ist unter anderem in Somalia, Uganda, Äthiopien, Eritrea und Afghanistan tätig. Sie wird allein durch Spenden finanziert, ist politisch neutral und unabhängig.

Mehr Informationen unter www.cap-anamur.org.