Für Cap Anamur im Sudan: Glücklich trotz Gefahr

Artikelinfo
Datum: 
29.11.2015
Autor: 
Friederike Steensen
Quelle: 
HNA

Hundelshäuser arbeitet im Kriegsgebiet

Hundelshausen / Lwere. Vor wenigen Jahren baute Ralph Bindemann noch Kulissen für Filme und Fernsehserien, heute versorgt er ein Krankenhaus mit Medikamenten, Proviant und Baumaterialien - in einem Bürgerkriegsgebiet.

„Das macht mich glücklich“, sagt der 47-Jährige aus Hundelshausen und strahlt. Bindemann arbeitet für die deutsche Hilfsorganisation Cap Anamur: Als Koordinator für Technik und Logistik sorgt er dafür, dass das Krankenhaus in Lwere zweimal im Jahr mit dem Nötigsten versorgt wird. 21 Tonnen Fracht, verteilt auf 1800 Kisten, müssen in die schwer zugängliche und umkämpfte Bergregion gebracht werden - von Aspirin bis zu Infusionen, von der Butter bis zum Schraubenzieher, zu Treibstoff und Zement. „Alles, was fehlt, kann später nicht mehr organisiert werden“, sagt der Logistiker. Während der Regenzeit von Mai bis Oktober versinke die Region im Morast, die Straßen seien nicht mehr passierbar.

 

FOTO | Strapaziöse Logistik: Ralph Bindemann arbeitet für die Hilfsorganisation Cap Anamur im Sudan. Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem die Versorgung der entlegenen Krankenstationen in den Nuba-Bergen mit Medikamenten und Vorräten. Unser Bild zeigt ihn am Standort Koalib – fünf staubige Stunden Fahrt vom Hospital Lwere entfernt. Foto: privat/nh

 

Auch in seinem früheren Leben hat Bindemann viel organisiert, dafür gesorgt, dass zum Filmdreh alles zur rechten Zeit am rechten Fleck war. Doch nachdem er in Indien erstmals mit bitterer Armut konfrontiert wurde, begann er umzudenken. Er beschäftigte sich mit Entwicklungspolitik - und gab schließlich nach 17 Jahren in Berlin sein altes Leben auf. Der gebürtige Hamburger zog 2013 nach Hundelshausen, um sich bei der Gesellschaft für nachhaltige Entwicklung in Witzenhausen fortzubilden. In einem Praktikum baute er ein Baumhaus für den Waldkindergarten und wusste doch immer: „Ich will in der Praxis arbeiten.“

Das tut Bindemann seit 2014 für Cap Anamur. „Früher habe ich dreimal so viel verdient“, gibt er zu. „Aber das vermisse ich nicht. Ich gebe kaum noch Geld aus. Und was ich jetzt im Sudan tun kann, das erfüllt mich von A bis Z.“

Sorgen um Sicherheit

Dafür ist der 47-Jährige bereit, sich in Gefahr zu bringen: Denn die Sicherheitslage im Sudan ist schlecht. Details will er nicht nennen. „Es herrscht noch Bürgerkrieg. Nur in der Regenzeit ist Ruhe, da kommen die Soldaten auch nicht durch.“ Trotzdem will er die nächsten Jahre in Lwere bleiben. „Ich achte sehr auf mein Leben“, betont er, „Die Angst ist da. Aber sie hält mich nicht auf.“ Seine Mutter habe sich anfangs große Sorgen gemacht. Aber täglicher Kontakt über Skype, E-Mail und WhatsApp-Nachrichten hätten sie etwas beruhigt. Möglich wird das über eine satellitengestützte Internetverbindung.

Gewaltiger Unterschied

Zweimal im Jahr kehrt Bindemann für zwei bis drei Wochen heim. Wie hat sich seine Sicht auf Deutschland verändert? „Ich respektiere, dass wir in einem westlichen, entwickelten Land anders leben“, sagte Bindemann langsam, „aber der Unterschied ist gewaltig. Das macht mich traurig und wütend. Wir haben hier alles im Überfluss.“

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https://www.hna.de/lokales/witzenhausen/witzenhausen-ort44473/hundelshaeuser-arbeitet-anamur-sudan-5907640.html