"Ja, ich habe Angst"

Artikelinfo
Datum: 
20.06.2013
Autor: 
Claudia Pospieszny
Quelle: 
WAZ.de

Kettwig | „,Hast Du keine Angst? Diese Frage habe ich so oft gestellt bekommen vor meiner Abreise, nun bin ich schon sechs Monate hier. Und die Antwort ist: Ja, ich habe Angst. Aber nicht vor Fliegern, Bomben, Schlangen und Soldaten“, schreibt die Kettwiger Krankenschwester Elena Prögler, die im Dienste der Hilfsorganisation Cap Anamur derzeit im Sudan im Einsatz ist.

Wovor sie nun Angst hat? „Wenn das nächste Kind mit hohem Fieber ankommt, wenn ein Verletzter gebracht wird oder eine Schwangere mit Entbindungsproblemen. In Deutschland könnte ich jetzt dieses oder jenes tun oder einen Arzt rufen.“ Doch in den Nuba-Bergen ist die medizinische Versorgung schwierig, sind die Helfer auf sich allein gestellt.

Als eine von zwei Cap Anamur-Mitarbeitern setzt Elena Prögler derzeit alles daran, so vielen Menschen wie möglich in einem Krankenhaus in Lwere zu helfen. Kontakt hält sie dabei zu vielen Kettwigern. „Über das Internet geht das sehr gut“, sagt Elvira Strecker, die sich wie Elena Prögler in der Pfarrgemeinde St. Peter und Laurentius engagiert.

Und weil die Gemeinde es beim „Zuhören“ nicht belassen wollte, wird sie nun selbst aktiv. „Auszüge aus Briefen von Elena Prögler haben wir im aktuellen Pfarrbrief abgedruckt“, sagt Strecker. „Darüber hinaus wollen wir beim Pfarrfest gezielt für das Projekt, in dem Elena Prögler mitarbeitet, Spenden sammeln.“

Und die werden in der Tat dringend benötigt. Das Dorf Lwere befindet sich in der Krisenregion zwischen Sudan und dem nun unabhängigen Süd-Sudan, in dem seit 2010 wieder gekämpft wird. Denn mit der offiziellen Unabhängigkeit des Süd-Sudan flammten auch die Kämpfe im Grenzgebiet wieder auf. Auf der Strecke bleibt dabei die Landbevölkerung, die zur medizinischen Versorgung neben dem Cap Anamur-Projekt nur auf eine Klinik der Kath. Kirche, die ebenfalls in den Nuba-Bergen betrieben wird, zurückgreifen kann.

Elena Prögler erlebt die Situation entsprechend als dramatisch. „Die meisten Dörfer sind menschenleer, vollkommen zerstört oder niedergebrannt. Etliche Familien haben Zuflucht gesucht in den engen und überfüllten Flüchtlingslagern. Diejenigen, die bleiben, verstecken sich in den dunklen Berghöhlen. Viele sind durch die Gräueltaten des Krieges schwer traumatisiert.“ Und um genau diesen Menschen zu helfen sammelt die Gemeinde St. Peter und Laurentius bei ihrem Pfarrfest.

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