Bombenangriff auf das Cap-Anamur-Krankenhaus in den Nuba-Bergen

Artikelinfo
Datum: 
07.05.2014
Autor: 
Office Cap Anamur

Gestern wurden gegen 10:15 Uhr von einem Kampfjet aus zwei Bomben auf unser Krankenhaus in Lwere in den sudanesischen Nuba-Bergen abgefeuert. Die Militärflieger waren im Auftrag der Sudan Armed Forces, des sudanesischen Militärs unter Präsident Al-Baschir, unterwegs. Bei dem Angriff wurde ein Mensch verletzt, ein umliegendes Gebäude wurde komplett und der OP teilweise zerstört. Alle Fenster zersprangen durch die Druckwelle. Die Patienten und Angestellten flüchteten sich ins Umland. Für sie gehört die Bedrohung durch Bombenangriffe seit Jahren zum Alltag. Doch seit Juni 2011 hat sich der Kampf um die Region der Nuba-Berge noch einmal verschärft.

Nur eine Woche zuvor wurde ein anderes Krankenhaus in den Nuba-Bergen angegriffen: Die Einrichtung Diocese of El Obeid in Gidel wurde am 1. und 2. Mai mit 11 Bomben beschossen. „Wir erfuhren unmittelbar von dem Vorfall und, dass an diesen Tagen das von Cap Anamur betreute Krankenhaus ausgespäht wurde. Unser Team ließen wir deswegen umgehend an einen sicheren Ort bringen“, berichtet Cap-Anamur-Geschäftsführer Bernd Göken, der sich derzeit auf dem Weg in die Nuba-Berge befindet, um sich ein Bild von der Situation zu machen und sich mit den Kollegen über das weitere Vorgehen zu beraten.

„Wir verurteilen diese Attacken, bei denen es sich um Menschenrechtsverletzungen handelt, aufs Schärfste: Innerhalb weniger Tage wurden zwei Krankenhäuser in den Nuba-Bergen Ziel von Bomben“, so Göken, der selbst zwei Jahre als Krankenpfleger in den Nuba-Bergen gearbeitet hat. „Zudem ist es ein Angriff auf die humanitäre Hilfe und ein fürchterliches Verbrechen, denn es richtete sich gezielt gegen Zivilisten. In unserem Krankenhaus besteht ein Großteil der Patienten aus Kindern, viele davon sind wegen Unterernährung stark geschwächt.“

In den vergangenen 17 Jahren, in denen Cap Anamur das Volk der Nuba medizinisch versorgt hat, gab es immer wieder Rückschläge, doch noch nie eine so gezielte Attacke auf unsere Hilfe. Die Zukunft dieses Projekts ist ungewiss, doch wir werden versuchen, unsere so wichtige Arbeit dort fortzusetzten.

Hintergrund: Zur Situation in den Nuba-Bergen

Bereits seit vielen Jahrzehnten ist der Sudan ein von Krieg gezeichnetes Land. In zentralen Belangen wie politische Macht, Zugriff auf Ölvorkommen, Stammes- und Religionszugehörigkeit besteht ein hohes Konfliktpotential, das sich immer wieder in gewaltsam ausgetragenen Kämpfen entlädt. Meist stehen militante Rebellengruppen einer nicht weniger gewaltbereiten Regierung gegenüber, die allesamt ihre nur schwer durchschaubaren Interessen auf Kosten der Zivilbevölkerung durchzusetzen versuchen.

Unzählige Zivilisten flüchteten vor Bodenkämpfen und flächendeckenden Bombardements in die Höhlen der Nuba-Berge, die sich über den gesamten Bundesstaat Südkordofan erstrecken. Geografisch und politisch liegen die Nuba-Berge im Sudan, ethnisch und kulturell fühlen sich die hier lebenden Menschen jedoch dem Südsudan zugehörig.

In Lwere, einem Dorf inmitten der Nuba-Berge betreibt Cap Anamur ein Krankenhaus. Hier und in vier Gesundheitsstationen im Umkreis von 100 Kilometern behandeln unsere Mediziner die Zivilisten und versorgen sie mit Lebensmitteln. Mit einem Feeding-Center für unterernährte Kinder und speziellen Impfprogrammen kümmern wir uns vor Ort um die erschöpften und häufig traumatisierten Menschen.