SUDAN | Anspruchsvolle Lieferung von Hilfsgütern

Artikelinfo
Datum: 
10.08.2016
Autor: 
Office Cap Anamur

Unser Projekt im Sudan liegt in der sehr abgeschiedenen Region der Nuba-Berge. Deswegen können wir nur zweimal im Jahr Hilfsgüter dorthin befördern. Die Medikamente, Baumaterialien und Lebensmittel müssen dann für unser Krankenhaus in Lwere sowie die fünf umliegenden Gesundheitsposten für etwa sechs Monate ausreichen – entsprechend genau und vorausschauend muss die Bestellung sein.

Die Lieferung und Verteilung der rund 30 Tonnen Material ist eine logistische Herausforderung: Aufgeteilt in drei Flugzeugladungen, die nacheinander an der Flugpiste im südsudanesischen Jida ankommen, werden die Hilfsgüter in LKWs und Autos geladen. Die fast 250 Kilometer zu unserem Krankenhaus in Lwere auf den in weiten Stecken miserablen Straßen und matschigen Pfaden können oft nur in Schritttempo zurückgelegt werden. Bei guten Wetterverhältnissen dauert das einen Tag, in der Regenzeit hingegen kann die Fahrt bis zu einer Woche beanspruchen. Am Krankenhaus angekommen, wird ein Teil der Medikamente für die Gesundheitsposten zusammengestellt und nach und nach an die fünf Posten verteilt.

 

Zweieinhalb Tage für eine Strecke von 200 Kilometern

Mit dem Beginn der Regenzeit erschwerte sich die Verteilung an die letzten beiden Gesundheitsposten enorm: „Es regnete mittlerweile schon ordentlich. Die Straßen waren furchtbar und kaum noch zu passieren“, berichtet Cap-Anamur-Krankenpfleger Johannes Plate, der schon zweieinhalb Jahre in unserem Projekt in den Nuba-Bergen arbeitet. „Auf dem Weg zu den beiden Health Posts in Ard Kanan und Koalib steckten wir fünfmal fest. Der Wagen hatte einen Kurzschluss im Motorenraum und wir mussten mehrere Zentner Erde bewegen, weil sich das Auto mehrfach festgefahren hatte. Für eine Strecke von 200 Kilometern waren wir zweieinhalb Tage unterwegs. Doch nun haben wir auch die letzte Ladung verteilt und alle Health Posts sind für die kommenden Monate mit Medikamenten versorgt.“

Zurzeit ist die Situation in den Nuba-Bergen aufgrund der Regenzeit wieder etwas ruhiger. Doch erst im Mai und Juni kam es im Rahmen einer Offensive der Regierung immer wieder zu Luftangriffen. Auch Lwere, der Standort unseres Krankenhauses, wurde Ende Mai Ziel eines Bombenangriffs. Es wurde niemand getötet, aber drei Familien verloren ihre Häuser und ihren gesamten Besitz.  

HINTERGRUND | Ein Land in chronischer Krise

Im Sudan spielt sich bereits seit Jahrzehnten eine Flüchtlingskrise ab. Vor allem der Bundesstaat Südkordofan, in dem die Nuba-Berge liegen, ist von permanenten Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Rebellen-Milizen betroffen. Seit der Unabhängigkeit des Südsudan in 2011 geriet diese bereits seit langem umkämpfte Region noch enger ins Kreuzfeuer rivalisierender Interessengruppen: Während sich die Bevölkerung eher der südsudanesischen Seite zurechnet, wurde das Gebiet auf Basis fragwürdiger Wahlergebnisse offiziell dem Norden zugeordnet.

Die sudanesische Regierung nimmt in diesem Krieg nicht nur die Rebellen ins Visier, sondern zeichnet sich in ihrer Kampfstrategie auch dadurch aus, rigoros gegen Zivilisten vorzugehen. So werden aus der Luft und am Boden gezielt Wohngebiete zerstört, die Ernten und der Viehbestand geplündert oder verbrannt, Wasserpumpen gesprengt, Schulen und Gesundheitsposten niedergerissen. Die Regierung schreckt zudem nicht vor international geächteten Clusterbomben zurück, deren unzählige Sprengsätze die Wohn- und Anbauflächen der Bevölkerung verminen und unbrauchbar machen.

 

Medizinische Versorgung in den Nuba-Bergen

Wir helfen den in die Berghöhlen geflüchteten Menschen mit einem medizinischen Versorgungsnetz, das aus einem zentralen Krankenhaus in Lwere und fünf Gesundheitsposten im Umkreis von 100 Kilometern besteht. Mit den Außenposten als Satelliten unseres Hospitals stellen wir auch in entlegenen Gebieten eine medizinische Basisversorgung zur Verfügung. Allein im Jahr 2015 haben wir 60.000 Patienten im Krankenhaus von Lwere versorgt und über 130.000 Patienten in den fünf Außenposten.