Medizinische Hilfe im Bürgerkrieg

Artikelinfo
Datum: 
23.02.2016
Autor: 
Lutz Risse
Quelle: 
derwesten.de

Hohenlimburg. Oft sehen wir auf den Bildschirmen die schönen Seiten Afrikas. Wie Elefanten, Giraffen und Löwen über die Steppen marschieren. Leider auch oft die Kehrseite der Medaille, wie die Ebola-Epidemie in Westafrika. Über die Zentralafrikanische Republik wird in Europa kaum berichtet. Dort herrscht Bürgerkrieg, Machtausübung von Großkonzernen, Diamantenschmuggel, medizinische Unterversorgung. Die Organisation Cap Anamur mit Sitz in Köln hilft den Menschen. Sechs Monate tat dies auch ein Arzt aus Hohenlimburg – Philip Eisermann (32).

Im Elseyer Krankenhaus geboren, in Hohenlimburg aufgewachsen, in Würzburg studiert. Anschließend arbeitet er in Stuttgart sowie an der Uniklinik Leipzig in der Anästhesie. So lässt sich kurz und knapp der Lebenslauf von Philip Eisermann zusammenfassen. „Einen Facharzt habe ich noch nicht, den werde ich jetzt in Hamburg machen“, so der Hohenlimburger.

Die Begeisterung für Afrika ist bei dem 32-Jährigen schon immer vorhanden, er verbringt während seines Studiums auch einige Monate in Tansania. „Bei einem dreimonatigen Kursus im Hamburger Tropeninstitut bin ich auf Cap Anamur aufmerksam geworden“, sagt Philip Eisermann. Er bewirbt sich mit Erfolg – es geht von Mitte August 2015 bis Mitte Februar 2016 in die Zentralafrikanische Republik. „Bei derartigen Projekten ist mir die Nachhaltigkeit sehr wichtig. Viele Hilfsprojekte kollabieren, was Cap Anamur zu vermeiden versucht.“ So hat Cap Anamur in der Stadt Bossembélé zunächst den Bedarf an Verbrauchsgütern, Medizin und Lebensmitteln gedeckt. Sodann konnten Mediziner, Techniker und Logistiker ihre Arbeit aufnehmen, um die Gesundheitsversorgung vor Ort wieder aufzubauen und sie langfristig zu sichern. Es herrscht dort Bürgerkrieg. Die muslimische Rebellengruppe Seleka sowie die christliche Anti-Balaka bekämpfen sich auf Kosten der Zivilbevölkerung.

Sicherheitslage verschlechtert

Seit 2013 hat sich die Sicherheitslage extrem verschlechtert, erst seit den Präsidentschaftswahlen im Dezember 2015 ist das Land etwas stabiler geworden. „Trotzdem habe ich mich dort nie unsicher gefühlt. Mir ist nichts passiert. Die Organisationen schützen die internationalen Hilfskräfte“, beschreibt Philip Eisermann.

Nach der Ankunft geht es von der Hauptstadt Bangui in das 160 Kilometer entfernte Distriktkrankenhaus in der Stadt Bossembélé. Die Fahrt geht durch die Provinz, durch den „Busch“. Gefahren wird immer im Konvoi mit Militär, Blauhelmen und anderen Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz oder Ärzte ohne Grenzen. „Diese Konvois werden sehr oft überfallen“, weiß Philip Eisermann. So erreichen oft Medikamente und andere wichtige Güter nicht die Orte, wo sie am dringendsten gebraucht werden.

Die Häuser in Bossembélé bestehen aus selbst gebrannten Ziegelsteinen. Elektrizität gibt es dort nicht. „Das Krankenhaus wird sechs Stunden am Tag mit einem Dieselgenerator mit Strom versorgt“, sagt Philip Eisermann. Sollten Not-Operationen oder Notfälle eintreten, läuft der Generator bei Bedarf länger. Im Distriktkrankenhaus Bossembélé werden monatlich rund 450 stationäre und über 5000 ambulante Patienten versorgt.

Zeit, sich zu akklimatisieren, hat der Hohenlimburger nicht. Kaum angekommen, geht es sofort an die Arbeit. Eingesetzt wird er auf allen Stationen – der Chirurgie, der Kinder- und der Geburtsklinik. Die Kinderstation ist übrigens mit Unterstützung von Cap Anamur im vergangenen Jahr gebaut worden. Bei den Visiten hilft er den dort tätigen Ärzten, die Strukturen zu verbessern.

„Ich hatte eine Sechs-Tage-Woche, der Sonntag war grundsätzlich frei“, so Philip Eisermann. Es sei denn, es kommen Notfälle rein, dann muss er auch schon mal nachts aus dem Bett klettern.

Malaria-Erkrankung

Die häufigsten Erkrankungen, die im Krankenhaus in Bossembélé behandelt werden, sind sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen Malaria- und Durchfallerkrankungen, hinzu kommen HIV-Infektionen. „Da Bossembélé nicht in einem akuten Krisengebiet liegt, hatten wir selten Schussverletzungen.“ Häufig waren jedoch Verletzungen durch Macheten, Schlangenbisse, Knochenbrüche, Verkehrsunfälle und – man höre und staune – Leistenbrüche.

Mit dem weltbekannten Ebola-Virus hat er in Zentralafrika zum Glück nichts zu tun. „Das Ebola-Fieber ist in Westafrika ausgebrochen, aber mittlerweile gilt das ja als einigermaßen eingedämmt.“

Noch keine Hungersnot

Eine akute Hungersnot herrscht in der Zentralafrikanischen Republik noch nicht, jedoch kann es im Zuge der Malaria-Krankheit zu Mangelernährung kommen. Dafür gibt es im Krankenhaus auch eine separate Station. „Laut einer Prognose soll sich die Ernährungssituation aber verschlechtern“, sagt Philip Eisermann. Es gibt ein Versorgungsproblem, zumal es viele Flüchtlinge innerhalb des Landes gibt, die dem Krieg entkommen wollen. Sie sind in großen Lagern untergebracht.

Auch wenn Philip Eisermann von Cap Anamur gut geschützt ist und ihm körperlich nichts passiert, prallt die Situation vor Ort natürlich nicht an ihm ab. „Wir haben viel zusammen diskutiert und gesprochen, aber viele Situationen aus dem Alltag vergisst man einfach nicht. Besonders, wenn es um schwerkranke Kinder geht.“

Jetzt steht erst einmal der Facharzt an. Aber eine Rückkehr nach Afrika schließt Philip Eisermann nicht aus.

Der gemeinnützige Verein „Cap Anamur - Deutsche Not-Ärzte e.V.“ mit Sitz in Köln wurde 1979 ins Leben gerufen Seitdem leistet er weltweit humanitäre Hilfe. Im Fokus stehen die medizinische Versorgung und der Zugang zu Bildung.

Spenden:Sparkasse Köln-Bonn, IBAN: DE85 3705 0198 0002 2222 22; BIC: COLSDE33

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