ZENTRALAFRIKANISCHE REPUBLIK | Als Arzt in Afrika

Artikelinfo
Datum: 
06.07.2016
Autor: 
Igor Kindler

Tagesablauf in der Klinik

Ich arbeite seit Anfang April als Arzt in dem Cap-Anamur-Projekt in Bossembélé. Mein Tag beginnt um 8 Uhr mit der Visite. Diese wird mit den Interns, den hiesigen Studenten im letzten Ausbildungsjahr, und mit dem Team der jeweiligen Abteilung durchgeführt. Während der Visite wird der Therapieplan festgelegt und die neu aufgenommenen Patienten untersucht. Im Anschluss werden diagnostische und therapeutische Maßnahmen, wie zum Beispiel Punktionen oder Ultraschalluntersuchungen, durchgeführt.

Die klinische Ausbildung der Ärzte in der Zentralafrikanischen Republik ist hervorragend und die Interns benötigen meine Unterstützung nur im Bereich der Ultraschalldiagnostik. Alle anderen Untersuchungsmethoden und Punktionen beherrschen sie sicher. Am Nachmittag besprechen wir die Planung der anstehenden Arbeiten.

Nachts werde ich immer wieder zu Notfällen gerufen, vor allem im Bereich der Kinderheilkunde. Meistens handelt es sich dabei um akute Atemprobleme oder neurologische Komplikationen im Rahmen einer schweren Malaria mit Krampfanfällen und einem Mangel an roten Blutkörperchen. Die Therapie erfolgt aufgrund der begrenzten diagnostischen Möglichkeiten recht einheitlich mittels Sauerstoffgabe, Bluttransfusion, einer Zuführung von Flüssigkeit und der Verabreichung entsprechender Medikamente, die auch das Fieber senken.

CENTRAL AFRICAN REPUBLIC | Being a doctor in Africa

by Igor Kindler

Daily hospital routine

Since the beginning of April, I am working as a doctor for the Cap-Anamur project in Bossembélé. My day starts at 8 am with ward rounds. Interns, local students in their last year of training, and the team of the corresponding department participate. During rounds, the treatment plan is decided on and new patients are examined. Subsequently, diagnostic and therapeutic measures, as punctures and ultrasonic tests, are being performed.

The clinical training of doctors in the Central African Republic is excellent and the interns only need my assistance during sonography. They are very proficient in all other examination methods and punctures. In the afternoon, we discuss the upcoming tasks.

During the night I am often called to emergencies, especially to the pediatrics department. Most of the times, these emergencies are about acute breathing problems and neurological complications due to severe malaria including seizures and red blood cell deficiency. Due to limited diagnostic possibilities, treatment is more or less uniform with ventilation, blood transfusion, administration of fluids and medication, which reduce the fever.

 

Hohe Kindersterblichkeit

Viele Kinder erreichen unsere Klinik in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium, und leider kann nicht jedes Leben gerettet werden. Doch warum kommen einige der Patienten erst so spät, manchmal zu spät?

Die Zentralafrikanische Republik ist ein armes Land mit einer im Vergleich zu Europa schlechten Infrastruktur, so sind beispielsweise nur 643 von insgesamt 23.810 Kilometern Straße geteert. Unsere Patienten kommen aus einem Umkreis von rund 50 Kilometern. Zwar gibt es für die meisten eine Krankenversorgung durch Gesundheitsposten im nahen Umkreis, diese beschränkt sich aber oft auf die Malariatherapie sowie die Verabreichung von Antibiotika, Schmerzmitteln und Vitaminpräparaten, selten auch Infusionen. Viele unserer Patienten können sich diese Behandlung nicht leisten. Die notwendige Therapie wurde somit häufig unvollständig oder gar nicht durchgeführt. Eine Verlegung der Patienten in unser Krankenhaus erfolgt aufgrund der Transportkosten oft spät. Deswegen kann vor allem den Menschen, die in der Nähe eines Krankenhauses leben, nachhaltig geholfen werden.

Unter- und Mangelernährung

Ein weiterer Grund für die hohe Kindersterblichkeit liegt im Ernährungszustand: Viele Kinder sind unter- beziehungsweise mangelernährt und in Folge dessen ist ihr Immunsystem geschwächt. Unter diesen Voraussetzungen erhöht sich das Risiko der betroffenen Kinder, an Malaria, einer HIV-Infektion oder Tuberkulose zu sterben.

Zwar ist der Staat nicht untätig, es existieren kostenlose staatliche Programme zur Behandlung von HIV und Tuberkulose. Und auch die Schwangerenvorsorge und die Impfprogramme werden kostenlos angeboten. Diese erreichen jedoch nur einen geringen Bevölkerungsanteil von etwa 3 Prozent – im Vergleich zu rund 17 Prozent in den Nachbarländern Tschad und Kongo.

Neben der modernen Medizin nutzen viele Zentralafrikaner bei Krankheit häufig den lokalen Heiler als ersten Ansprechpartner. Doch dieser traditionelle Weg kann bei schweren Malariaerkrankungen, einer Sepsis sowie den anderen hier vorherrschenden Infektionskrankheiten und Mangelzuständen leider nicht langfristig helfen.

High infant mortality

Many children only reach our hospital at a far progressed stage of illness and sadly not every life can be saved. But why do some patients come so late, and in some cases too late?

The Central African Republic is a poor country with a, compared to Europe, bad infrastructure. For example, only 643 of 23.810 kilometers of road are tarred. Our patients come from a radius of about 50 kilometers. Even though, most have access to medical attention in their near surroundings at health posts, but it is mostly restricted to malaria treatment as well as administration of antibiotics, pain killers and vitamin products, in a few cases also infusions, many of our patients cannot afford this treatment. Therefore, the necessary measures for treatment are only taken partially or not at all. Due to the costs, transfer of patients to our hospital also often takes place too late. Therefore, sustainable help can mostly be provided to people living in proximity of the hospital.

Malnutrition

Another reason for the high infant mortality is the nutritional status: Many children suffer from under- and malnutrition which result in a weakened immune system. The risk for these children to die from malaria, an HIV infection or tuberculosis is elevated under these conditions.

The government is not inactive. Free national treatment programs against HIV and tuberculosis exist and also prenatal care and vaccination programs are offered free of charge. These programs only reach 3 % of the population, a minor share compared to the neighboring countries Chad and Congo with 17 %.

Apart from modern medicine, many Central Africans often consult their local healer first, when they are ill. This traditional way cannot provide long-term help with severe malaria infections, sepsis or other here common infectious diseases and nutrient deficiencies.

 

Große Armut

Letztlich kann man festhalten, dass Armut die primäre Krankheitsursache darstellt. Die Zentralafrikanische Republik gehört zu den zehn ärmsten Ländern der Welt. Erinnerungen an Kinder, die in lebensbedrohlichem Zustand zu uns kamen, bleiben im Gedächtnis: Die durch Unterernährung, Malaria oder Tuberkulose geschwächten Jungen und Mädchen, die über Wochen von Krankenschwestern behandelt wurden, ihre Erkrankung überwinden und stabilisiert nach Hause entlassen werden können. Das ist für uns jedes Mal ein Erfolgserlebnis. Den meisten unserer kleinen und großen Patienten kann geholfen werden.

Severe poverty

It can be concluded, that poverty represents the most common cause of illness. The Central African Republic is one of the ten poorest countries on earth. Memories of children, that came to us with life-threatening conditions, stay in mind: The boys and girls, weakened by malnutrition, malaria or tuberculosis, who were treated by nurses for weeks and who overcame their illness to be sent home in a stable condition. Each time, this is a great success. We are able to help most of our little and grown-up patients.

 

Blick nach vorne

Neben der Tätigkeit in Bossembélé unterstützen wir finanziell ein weiteres Krankenhaus in Yaloké sowie in Ndjoh. Im letztgenannten führen wir regelmäßig mit dem lokalen Team Konsultationen durch. Diese werden von zahlreichen Patienten besucht. Durch die finanzielle Unterstützung der staatlichen Gesundheitsstrukturen leistet Cap Anamur einen wichtigen Beitrag: Dank der kostenlosen medizinischen Versorgung in Bossembélé und Umgebung genesen wesentlich mehr Kranke als in vergleichbaren Regionen. Durch die Erweiterung und Modernisierung des Krankenhauses in Bossembélé erreichen wir zusammen mit unseren örtlichen Partnern eine dauerhafte Verbesserung der lokalen Gesundheitsstrukturen und tragen somit hoffentlich zum wünschenswerten Aufschwung des Landes bei.

A look ahead

Apart from the engagement in Bossembélé we are also financially supporting a hospital in Yaloké as well as in Ndjoh. In the latter, we regularly offer consultations together with the local team. These are visited by numerous patients. By financially supporting the state healthcare structures, Cap Anamur contributes significantly: Thanks to the free medical care in Bossembélé and the surrounding area, more sick people recover from illness than in comparable regions. By the expansion and modernization of the hospital in Bossembélé we, together with our local partners, achieve a long-term improvement of local healthcare structures and therefore hopefully also promote the desired economical boost of the county.