19. Februar 2026 Aktuelle Projekte, Afghanistan

Gesundheitsversorgung durch Frauen – unter immer schwierigeren Bedingungen

Unser neues Comprehensive Health Center in der Provinz Herat gibt Frauen ein wenig Selbstbestimmtheit zurück.

Seit Beginn dieses Jahres betreibt Cap Anamur ein Comprehensive Health Center (CHC) in der ländlichen Umgebung der westafghanischen Provinz Herat. Die Klinik versorgt ein Einzugsgebiet von 33 Dörfern mit rund 50.000 Menschen – in einer Region, in der medizinische Hilfe für viele bislang kaum erreichbar war.

Der Betrieb des CHC findet in einem politischen Kontext statt, der sich seit der Machtübernahme der Taliban weiter verschärft hat. Frauen werden systematisch entrechtet: Ihr Zugang zu Bildung, Arbeit, Bewegungsfreiheit und Gesundheitsversorgung ist massiv eingeschränkt. Gerade deshalb kommt der Existenz funktionierender Gesundheitseinrichtungen eine besondere Bedeutung zu und vor allem der Arbeit von Frauen innerhalb dieser Einrichtungen.

Ohne Frauen keine Versorgung für Frauen

Insgesamt arbeiten 23 Mitarbeitende im CHC, 13 von ihnen sind Frauen. Diese Zahl ist weit mehr als eine Statistik. In Afghanistan dürfen Frauen medizinisch ausschließlich von weiblichem Fachpersonal behandelt werden. Fehlen Ärztinnen, Hebammen oder Krankenschwestern, bedeutet das für viele Patientinnen schlicht: keine Versorgung.

Die Arbeit der Frauen im CHC schafft daher punktuell Zugang zu medizinischer Hilfe und damit zu Würde, Sicherheit und Selbstbestimmung in einem Alltag, der für Frauen immer enger wird. Eine Allgemeinärztin behandelt gemeinsam mit Krankenschwestern Patientinnen und Kinder. Drei Hebammen übernehmen Schwangerenvorsorge, Familienplanung und normale Entbindungen. Für Notfälle steht ein Ambulanzfahrzeug bereit, um Patientinnen bei Komplikationen in das Provinzkrankenhaus nach Herat zu bringen.

Die Klinik verfügt über drei Entbindungsbetten sowie vier Betten für kurzfristig stationäre Allgemeinpatientinnen. Der Schwerpunkt liegt auf ambulanter Behandlung. Ergänzt wird das Angebot durch ein Labor, eine Apotheke, einen Sterilisationsraum sowie einen Impfraum.

Mangelernährung, Armut und die besondere Belastung von Frauen

Ein weiterer Schwerpunkt des CHC ist die Behandlung von Mangel- und Unterernährung, die in der Region weit verbreitet ist. Besonders betroffen sind Binnenvertriebene sowie Rückkehrerfamilien aus Pakistan und Iran, die unter extrem prekären Bedingungen leben.

Viele Frauen tragen allein die Verantwortung für ihre Familien – als Witwen oder weil ihre Ehemänner arbeitslos, krank oder suchtkrank sind. In einer Gesellschaft, die den Mann als alleinigen Versorger vorsieht und kein soziales Sicherungssystem kennt, geraten Frauen und Kinder schnell in existenzielle Not. Die medizinische Versorgung im CHC ist für sie oft einer der wenigen erreichbaren Anlaufpunkte.

Ausbildung als Grundlage – Arbeit als gelebte Selbstbestimmung

In den vergangenen Jahren konnte Cap Anamur durch sein Ausbildungsprogramm Hebammen und Pflegekräfte qualifizieren. Dieses Programm musste im vergangenen Jahr aufgrund neuer politischer Vorgaben eingestellt werden. Die Auswirkungen der Einschränkungen sind spürbar und verschärfen die ohnehin angespannte Lage im Gesundheitssektor.

Gleichzeitig zeigt sich im CHC Herat, dass die frühere Möglichkeit zur Ausbildung bis heute Wirkung entfaltet: Frauen, die damals qualifiziert wurden, arbeiten nun in Gesundheitszentren, sichern die medizinische Versorgung für andere Frauen und verschaffen sich damit ein Maß an Selbstbestimmung, das ihnen gesellschaftlich zunehmend verwehrt wird. Diese Arbeit verändert die Situation nicht grundlegend, aber sie verbessert sie für die Mitarbeiterinnen selbst ebenso wie für die Patientinnen punktuell und konkret.

Wir bleiben präsent – für Frauen und ihre Gesundheit

Cap Anamur arbeitet in Afghanistan unter immer schwierigeren Bedingungen. Doch gerade weil Frauen zunehmend aus dem öffentlichen Leben gedrängt werden, ist ihre Arbeit im Gesundheitssektor von zentraler Bedeutung. Solange es möglich ist, stärken wir Strukturen, in denen Frauen arbeiten, helfen und ein Stück ihrer Selbstbestimmtheit zurückerlangen können und zugleich anderen Frauen medizinische Versorgung ermöglichen.

Mit Ihrer Spende unterstützen Sie die Selbstbestimmtheit von Frauen in Afghanistan! Bitte mit dem Verwendungszweck „AFGHANISTAN“. Vielen Dank!