Alltag im Kinderkrankenhaus: Komplizierte Malariafälle in Sierra Leone

Mit Beginn der Regenzeit nehmen die Malariafälle in Sierra Leone stark zu. Arzt Jonathan berichtet aus dem Klinikalltag und erzählt die Geschichte eines einjährigen Jungen, der nur knapp überlebte.

Mit Beginn der Regenzeit steigen in Sierra Leone jedes Jahr auch die Malariafallzahlen deutlich an. Die feucht-warmen Bedingungen bieten ideale Voraussetzungen für die Vermehrung der Anopheles-Mücke, die die Krankheit überträgt. Bereits jetzt erlebt das Krankenhaus, in dem Arzt Jonathan arbeitet, einen spürbaren Anstieg schwerer Malariafälle bei Kindern.

Malaria gehört weltweit insbesondere für Kinder unter fünf Jahren zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten. Übertragen wird die Krankheit durch den Stich der weiblichen Anopheles-Mücke. Nach der Infektion treten häufig zunächst Symptome wie hohes Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen, Durchfall oder starke Schwäche auf. Wird die Erkrankung nicht rechtzeitig behandelt, kann sie innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden.

Immer mehr schwere Verläufe im Krankenhaus

Besonders in Ländern wie Sierra Leone gehört Malaria noch immer zu den häufigsten Todesursachen bei kleinen Kindern. Während einfache Verläufe bei zeitnaher Behandlung oft gut ausheilen, führt ein verzögerter Therapiebeginn häufig zu komplizierten Malaria-Erkrankungen, die immer wieder zu schweren neurologischen Schäden, Organversagen oder zum Tod führen.

Derzeit erlebt das Krankenhaus, in dem Arzt Jonathan arbeitet, einen deutlichen Anstieg schwerer Malariafälle.

„Immer mehr Kinder kommen mit komplizierter Malaria zu uns ins Krankenhaus“, berichtet Jonathan aus Sierra Leone. „Kompliziert bedeutet bei Kindern häufig Krampfanfälle, niedriger Blutzucker, schwere Blutarmut bis hin zum Koma.“

Gemeinsam mit dem lokalen Team versucht er, die Kinder mit den vorhandenen Mitteln zu stabilisieren und durch die akute Krankheitsphase zu begleiten. Dazu gehören intravenöse Anti-Malaria-Medikamente, Bluttransfusionen, krampflösende Medikamente sowie häufig zusätzlich Antibiotika. Aufgrund fehlender diagnostischer Möglichkeiten lässt sich eine zusätzliche bakterielle Infektion oft nicht sicher ausschließen.

Besonders eindrücklich bleibt für Jonathan der Fall eines einjährigen Jungen.

Das Kind wurde mit hohem Fieber und Krampfanfällen ins Krankenhaus eingeliefert. Bereits in der Notaufnahme erhielt der Junge Medikamente gegen Malaria, Antibiotika und Mittel gegen die Krampfanfälle. Anschließend wurde er auf Jonathans Station verlegt.

„Als ich ihn untersucht habe, reagierte er praktisch gar nicht mehr“, erinnert sich Jonathan.

Immerhin funktionierten Kreislauf und Atmung zunächst noch ausreichend. Weitere Untersuchungen zeigten jedoch eine extreme Blutarmut: ein lebensbedrohlicher Zustand. Sofort organisierte Jonathan eine Bluttransfusion, passte die Medikamente an und überwachte gemeinsam mit dem Team die Vitalwerte des Kindes. Danach begann das Warten. Sieben Tage lang lag der Junge regungslos in seinem Bett. „Ohne kontinuierliches Monitoring ist das als Arzt nur schwer auszuhalten“, beschreibt Jonathan die Situation.

Erst am achten Tag zeigte das Kind erste Reaktionen. Doch die Folgen der schweren Malaria waren deutlich sichtbar: angespannte Muskeln, unkontrollierte Bewegungen, ständiges Kratzen im Gesicht und anhaltende neurologische Auffälligkeiten. An mehreren Tagen pro Woche unterstützen Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten die Klinik. Sie zeigten der Mutter Übungen, mit denen sie ihren Sohn fördern konnte. Langsam begann der Junge, kleine Fortschritte zu machen. Nach etwa zwölf Tagen konnte er wieder schlucken und selbstständig trinken. Nach insgesamt 17 Tagen konnte Jonathan den kleinen Patienten schließlich einigermaßen stabil nach Hause entlassen.

Eine engmaschige Nachsorge, wie man sie aus Deutschland kennt, gibt es in Sierra Leone jedoch kaum. Der Fall hat Jonathan erneut gezeigt, wie unterschiedlich Malaria verlaufen kann. Umso wichtiger sind eine zeitnahe medizinische Versorgung, schnelle Diagnostik und der Zugang zu lebensrettenden Medikamenten.

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