Sudan: Der Konflikt hat die Nuba-Berge erreicht
Aufgrund der verschärften Sicherheitslage müssen wir unsere Arbeit neu organisieren. Unser Krankenhaus in Lwere kann derzeit nur stark reduziert betrieben werden.
Mit schwerem Herzen müssen wir über die aktuelle Lage in unserem Projekt in den Nuba-Bergen im Sudan informieren.
Seit fast 30 Jahren haben wir gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung das Krankenhaus in Lwere aufgebaut, erweitert und betrieben. In all den Jahren war das Krankenhaus weit mehr als ein Ort medizinischer Versorgung. Es war ein sicherer Zufluchtsort für hunderttausende Menschen und ein Symbol der Hoffnung in einer Region, die über Jahrzehnte von Konflikten geprägt war. Millionen Binnenvertriebene fanden in den Nuba-Bergen Schutz vor Gewalt und Verfolgung. Unser Krankenhaus war für viele der einzige Ort, an dem sie medizinische Hilfe erhalten konnten.
Die Gewalt hat Lwere erreicht
Seit Beginn dieses Jahres hat sich die politische und militärische Lage im Sudan zunehmend verschärft. Was lange Zeit unvorstellbar schien, ist nun Realität geworden: Der Konflikt hat die Nuba-Berge erreicht.
In den vergangenen Wochen hat sich die Sicherheitslage rund um unser Krankenhaus dramatisch verschlechtert. Kämpfe fanden direkt in und um Lwere statt & eine Rebellengruppe hat die Kontrolle über den Ort übernommen.
Nach intensiven Gesprächen und zahlreichen Appellen für einen humanitären Korridor konnte uns niemand die Sicherheit unseres gesamten Teams garantieren. Deshalb mussten wir unsere Arbeit vor Ort neu organisieren.
Ein Teil unseres Teams ist weiterhin im Krankenhaus in Lwere geblieben. Die Mitarbeitenden sind vom aktuellen ethnischen Konflikt nicht unmittelbar betroffen und befinden sich derzeit in Sicherheit. Sie halten den Krankenhausbetrieb unter den schwierigen Bedingungen auf einem stark reduzierten Niveau aufrecht, damit die medizinische Versorgung nicht vollständig zum Erliegen kommt.
Ein weiterer Teil unseres Teams wurde vorsorglich an einen sicheren Ort gebracht. Die Mitarbeitenden unterstützen nun medizinisch in einem Health Center an einem anderen Standort und können dort weiterhin Patientinnen und Patienten versorgen.
Diese Aufteilung ist zunächst eine Übergangslösung. Die Sicherheitslage wird von uns fortlaufend beobachtet und neu bewertet. Sollte sich die Gefahrenlage weiter verschärfen, müssen wir die Situation und den Einsatz unserer Mitarbeitenden erneut anpassen.

Ein schmerzlicher Verlust
Die Kämpfe haben zahlreiche zivile Opfer gefordert. Besonders schwer trifft uns der Verlust unseres langjährigen Kollegen Abdulkarim, der viele Jahre als Emergency-Mitarbeiter für Cap Anamur tätig war. Mit großem Engagement und unermüdlichem Einsatz stand er den Menschen in den Nuba-Bergen zur Seite.
Unsere Gedanken sind bei seiner Familie, seinen Freunden und allen Angehörigen der Opfer dieses Konflikts. Wir trauern mit ihnen.
Medizinische Versorgung unter schwierigsten Bedingungen
Für die Bevölkerung sind die Folgen der Gewalt dramatisch. Die medizinische Versorgung in der Region ist massiv eingeschränkt. Menschen mit Verletzungen, Schwangere, Kinder und chronisch Kranke haben derzeit kaum noch Zugang zu lebensrettender Behandlung. Auch unser Health Center in Debbi ist von den Kämpfen betroffen. Dort hoffen wir, unsere Arbeit wieder aufnehmen zu können, sobald die Sicherheitslage dies zulässt.
Wie es mit Lwere weitergeht, lässt sich derzeit nicht vorhersagen. Zu groß ist die Unsicherheit darüber, was mit dem Krankenhaus geschieht und ob das, was wir gemeinsam mit der Bevölkerung fast drei Jahrzehnte lang aufgebaut haben, erhalten bleibt.
Wir geben die Menschen nicht auf
Im Moment hat die Sicherheit unserer Mitarbeitenden oberste Priorität. Gleichzeitig setzen wir alles daran, die medizinische Versorgung so weit wie möglich aufrechtzuerhalten. Eines steht jedoch fest: Wir wollen die Menschen in den Nuba-Bergen auch unter diesen schwierigen Bedingungen medizinisch unterstützen. Sobald es die Sicherheitslage zulässt, wollen wir unsere Arbeit wieder ausweiten. Die vergangenen Wochen haben uns erneut gezeigt, wie zerbrechlich selbst Orte der Hoffnung in einem Konflikt sein können. Doch sie haben uns auch darin bestärkt, warum unsere Arbeit so wichtig ist. Seit fast 30 Jahren stehen wir an der Seite der Menschen im Sudan. Daran wird sich auch jetzt nichts ändern.

