Weltmädchentag 2026: Gesund aufwachsen, Zukunft gestalten

Gesund aufzuwachsen ist für viele Mädchen keine Selbstverständlichkeit. Aminas Geschichte aus der Zentralafrikanischen Republik zeigt, wie medizinische Hilfe den ersten Schritt für eine selbstbestimmte Zukunft ermöglichen kann. Zum Weltmädchentag blicken wir auf ihre Geschichte und die Chancen, die Mädchen noch immer fehlen.

Mädchen auf dem Markt in Bossembélé.

Für Mädchen in der Zentralafrikanischen Republik entscheiden die Lebensbedingungen von klein auf mit darüber, welche Möglichkeiten ihnen später offenstehen. Der Zugang zu medizinischer Versorgung, Bildung und einer eigenen beruflichen Perspektive ist vielerorts begrenzt. Aminas Geschichte macht sichtbar, wie wichtig es ist, schon früh die Voraussetzungen für ein gesundes und selbstbestimmtes Leben zu schaffen.

Als Amina etwa ein Jahr alt war, kam sie gemeinsam mit ihrer Mutter bei uns an. Sie war schwer mangelernährt. Nicht einmal vier Kilogramm wog Amina.

Zunächst war die Situation besonders schwierig. Sie verweigerte die Milch und konnte deshalb nicht auf normalem Weg ernährt werden. Unser Team versorgte sie deshalb über eine Magensonde mit spezieller therapeutischer Nahrung. Ihre Mutter war dabei immer an ihrer Seite und half, ihr die Nahrung über die Sonde zu geben.

Amina mit ihrer Mutter in unserem Krankenhaus in Bossembélé.

Amina blieb lange bei uns. Zwischendurch kam noch eine Infektion hinzu, die sie glücklicherweise überstand. Tag für Tag konnte unser Team beobachten, wie sie langsam wieder zu Kräften kam.

Dann kam ein kleiner, aber entscheidender Moment: Amina begann wieder, ihre Milch selbst zu trinken.

Was zunächst wie ein kleiner Fortschritt wirkte, war für Amina ein großer Schritt zurück in ein selbstständigeres Leben. Nach und nach nahm sie an Gewicht zu. Schließlich konnte sie mit einem deutlich besseren Gesundheitszustand nach Hause entlassen werden. Für die weitere Versorgung bekam ihre Familie Erdnusspaste mit, eine energiereiche Spezialnahrung, die bei der Behandlung von Mangelernährung eingesetzt wird.

Für unser Team war es besonders schön, ihre Entwicklung über die lange Zeit mitzuverfolgen. Von einem sehr schwachen Mädchen, das zunächst nicht selbst trinken konnte, zu einem Kind, das wieder selbstständig Milch trank und gestärkt nach Hause zurückkehren konnte.

Gesundheit ist der Anfang

Die Geschichte von Amina zeigt auch, warum medizinische Versorgung so wichtig ist. Denn gesund aufzuwachsen ist die Grundlage für alles, was danach kommt: für den Besuch einer Schule, für eine Ausbildung und später für die Möglichkeit, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen und selbst Entscheidungen über die eigene Zukunft zu treffen.

In der Zentralafrikanischen Republik sind diese Möglichkeiten für viele Kinder noch immer begrenzt. Nur 31 Prozent der Kinder schließen die Grundschule ab. In der unteren Sekundarstufe liegt die Abschlussquote bei lediglich 17 Prozent. Für Mädchen können frühe Heirat und die damit verbundenen familiären Verpflichtungen den Zugang zu Bildung zusätzlich erschweren. (UNICEF Data)

Eine Zahl macht die Situation besonders deutlich: 61 Prozent der Frauen zwischen 20 und 24 Jahren wurden bereits vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. (2019; UNICEF Data)

Eine frühe Heirat kann für Mädchen bedeuten, dass sie ihre Schulbildung abbrechen und früh Verantwortung für eine eigene Familie übernehmen. Damit gehen wichtige Chancen verloren, später eine Ausbildung zu machen, einen eigenen Beruf zu erlernen und wirtschaftlich unabhängiger zu werden.

Ein gesundes Kind, viele Möglichkeiten

Wenn wir ein mangelernährtes Kind behandeln, geht es deshalb nicht nur darum, ein akutes gesundheitliches Problem zu lösen. Es geht auch darum, einem Kind die Möglichkeit zu geben, weiter aufzuwachsen, zu lernen und seinen eigenen Weg zu gehen.

Amina hat diesen ersten Schritt geschafft. Sie konnte wieder selbstständig trinken, nahm an Gewicht zu und kehrte schließlich mit ihrer Mutter nach Hause zurück.

Was aus ihr einmal wird, wissen wir nicht. Vielleicht geht sie eines Tages zur Schule. Vielleicht erlernt sie einen Beruf. Vielleicht wird sie Schneiderin, Markverkäuferin, Ärztin, Lehrerin, Unternehmerin oder etwas ganz anderes.

Entscheidend ist, dass sie die Möglichkeit haben soll, selbst darüber zu entscheiden.

Zum Weltmädchentag erinnern wir deshalb daran, dass Gleichberechtigung nicht erst im Erwachsenenalter beginnt. Sie beginnt mit der Möglichkeit, gesund aufzuwachsen, eine Schule zu besuchen und die eigene Zukunft mitzugestalten.

In unserem Gesundheitszentrum in Bossembélé schaffen wir dafür einen wichtigen ersten Schritt: Wir helfen Kindern, wieder gesund zu werden und zu Kräften zu kommen. Damit sie die Chance haben, ihren eigenen Weg zu gehen.

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