12. September 2022 Sudan, Projektberichte

25 Jahre medizinische Versorgung in den Nuba Bergen

Cap Anamur ist seit über 40 Jahren in Kriegs- und Krisengebieten tätig. Seit 1997 betreiben wir durchgehend ein Krankenhaus im Süden des Sudan. Es ist damit unser längstes Projekt, dass wir seit unserer Gründung betreuen. Unsere Arbeit umfasst die medizinische Versorgung der Menschen in den Nuba Bergen, die unter dem Jahrzehnte andauernden Bürgerkrieg leiden.

Cap Anamur betreibt seit 1997 ein Krankenhaus in den Nuba Bergen. Daneben werden drei weitere Gesundheitsposten im Umkreis von 150 Kilometern betrieben, um die medizinische Grundversorgung in der Region zu sichern.

Seit Jahrzehnten ist der Sudan Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen der offiziellen Regierung und Rebellengruppen. Die 2011 vollzogene Abspaltung eines vom Norden unabhängigen Südsudans verschärfte die Kämpfe vor allem im grenznahen Bundesland Südkordofan. Unter den Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen leidet vor allem die Zivilbevölkerung, die aus ihren häufig unter Beschuss stehenden Heimatdörfern flieht und in den Höhlen der Nuba Berge Schutz sucht. Fehlende Nahrungsmittel, geringe Wasserreserven und eine schlechte medizinische Versorgung, lassen das Leben in den Bergen jedoch schnell zum Überlebenskampf werden.

Seit 1997 betreibt Cap Anamur ein Krankenhaus im Sudan

Cap Anamur hat sich 1997 dazu entschlossen, trotz des herrschenden Bürgerkriegs und den ständigen bewaffneten Auseinandersetzungen, den Menschen in den Nuba Bergen zu helfen. Denn für die etwa 1 Million Menschen, die in dieser Region leben, gab es keine medizinische Versorgung.

Zunächst wurden alte Gebäude in der Kleinstadt Kauda als Hospital genutzt. Jedoch waren diese ständigen Bombenangriffen aus der Luft ausgesetzt. Daher wurde an einem besser geschützten Standort, in Lwere, ein neues Krankenhaus errichtet. Am Anfang bestand das Krankenhaus nur aus Lehmhütten, die im Laufe der lange Projektzeit zu stabilen und immer moderneren Gebäuden ausgebaut wurden.

In den ersten Jahren unserer Projekttätigkeit mussten alle benötigten Güter in die entlegenen Nuba-Berge zu Fuß gebracht werden. Denn die Region ist bis heute schwer zugänglich. Mittlerweile können wir die benötigten Materialien, wie Medikamente, medizinisches Equipment, Baumaterial oder andere Hilfsgüter mit Fahrzeugen an unseren Standort bringen. Jedoch benötigen wir auch heute noch mehrere Wochen um den Transport zu bewerkstelligen.

Ausbau der medizinischen Versorgung

Konnten wir Anfangs nur im Krankenhaus in Lwere die Menschen versorgen, so haben wir im Laufe der Jahre unseren Aktionsradius deutlich ausgebaut. Mit mehreren Gesundheitsposten, im Umkreis von 150 Kilometern, konnten wir die Grundversorgung für einen Großteil der Bevölkerung in den Nuba Bergen sichern. So haben wir in den 25 Jahren an insgesamt 11 Orten Gesundheitseinrichtungen erbaut und betrieben. Aktuell sind wir neben unserem Krankenhaus in Lwere noch an drei weiteren Standorten tätig. Alle anderen Einrichtungen haben wir an das lokale Personal übergeben, so dass diese eigenständig weiterbetrieben werden.
Bei einer stetig ansteigenden Patientenzahl, seit Beginn unserer Arbeit, haben wir in manchen Jahren bis zu 250.000 Menschen jährlich versorgt. So wurden von Cap Anamur insgesamt rund 3,35 Millionen Patienten und Patientinnen behandelt.

In der Anfangszeit herrschte in den Nuba Bergen eine sehr hohe Kinder und Müttersterblichkeit, da aufgrund von fehlenden Medikamenten oder Impfungen die Versorgungslage sehr schlecht war. Daher haben wir sehr früh damit begonnen ein Impfprogramm zu installieren. Dieses traf auf eine sehr hohe Akzeptanz in der Bevölkerung, so dass mittlerweile Erkrankungen wie Masern, Polio oder Tetanus keine Rolle mehr spielen.

Ausbildung der lokalen Mitarbeitenden

Durch den Krieg gab es in den Nuba-Bergen seit Jahren so gut wie keine Schulbildung und noch viel weniger Ausbildungsmöglichkeiten. Deshalb hatten wir große Probleme, geschultes Personal für unser Krankenhaus und die Gesundheitsposten zu finden. Wir begannen, Personal selbst auszubilden. Tagsüber fand der praktische Teil des Unterrichts im Krankenhaus direkt an den Patienten statt, abends, wenn es draußen nicht mehr ganz so heiß war, folgte der theoretische Teil. Heute haben wir ein tolles Team, das dank der gut ausgebildeten und geduldigen Männer und Frauen aus Deutschland bestens geschult ist.

Housna fing als Reinigungskraft im Krankenhaus in Lwere an. Während sie anfangs noch die Flure fegte, hat sie sich im Laufe der Zeit als sehr geschickt im Erkennen von Krankheiten und im Umgang mit Patienten gezeigt. Unser Team nahm die junge Frau in die Ausbildung. Heute leitet Housna im Krankenhaus die Sprechstunden für die kranken und schwangeren Frauen.

Joseph trat von sich aus an unser Team heran und bat um Arbeit oder Ausbildung. Der junge Mann erwies sich schnell als wissbegierig, äußerst lernfähig und strapazierfähig. Zudem brachte er ein besonderes Interesse und Talent für Operationen mit. Über Jahre hinweg wurde Joseph von den unterschiedlichen deutschen Chirurgen, die für Cap Anamur in die Nuba-Berge gekommen waren, aus- und weitergebildet. Heute führt Joseph selbstständig viele Operationen durch und jedes Jahr kommen für ein paar Monate deutsche Fachkräfte, um ihn nach den neusten Standards weiterzubilden.

Bis heute haben wir etwa 300 Mitarbeiter:innen ausgebildet. Viele sind seit Jahren für uns tätig, sogar seit Beginn unserer Tätigkeit im Sudan. Aktuell beschäftigen wir 135 Mitarbeitende und bilden diese ständig durch entsandte medizinische Fachkräfte weiter.

Das Krankenhaus in den Nuba Bergen – eine Erfolgsgeschichte

Unser Krankenhaus im Sudan zählt zu einer unserer Erfolgsgeschichten seit unserer Gründung. Durch unser umfangreiches Angebot, die verschiedenen Gesundheitsposten und unser unermüdliches Team haben wir die medizinische Versorgung in den Nuba Bergen deutlich verbessert. Kinder müssen an Malaria nicht mehr sterben, es können regelmäßig Operationen und Impfkampagnen durchgeführt und Mütter in der Schwangerschaft begleitet werden. Unsere Arbeit ist wichtiger denn je und ein essentieller Bestandteil des Lebens in den Nuba-Bergen.

Die neusten Entwicklungen im Sudan lassen immer wieder auf Frieden hoffen. Bis dieser eintritt, werden wir unsere Arbeit fortsetzen, damit das Leben an unserem Projektstandort bald so feste Strukturen hat, dass die Menschen dort auf unsere Hilfe nicht mehr angewiesen sind.