Typhus in einem der ärmsten Länder der Welt – Ein Einblick in die Behandlung
Wie medizinische Hilfe in der Zentralafrikanischen Republik Leben rettet.
Ein junger Patient in akuter Not
Als der 19-jährige Bertin in die Notaufnahme unseres Projekts in der Zentralafrikanischen Republik ankam, war sofort klar, wie ernst seine Lage war. Er lag gekrümmt auf der Trage, die Beine angezogen, vor starken Bauchschmerzen gewunden. Seit mehreren Tagen hatte er Durchfall, teils mit Blut, und hohes Fieber. Essen oder Trinken war kaum möglich. Trotz allem war er bei Bewusstsein und konnte mit uns sprechen. Doch insgesamt war er in einem sehr schlechten Zustand.
Was Typhus ist – und warum er hier noch so verbreitet ist
Schnell erhärtete sich der Verdacht auf Typhus. Typhus ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch verunreinigtes Trinkwasser oder Lebensmittel übertragen wird. Die Bakterien gelangen in den Darm, vermehren sich dort und können eine schwere Infektion auslösen. Typische Symptome sind anhaltendes Fieber, starke Bauchschmerzen, Durchfall und zunehmende Schwäche. In Regionen wie der Zentralafrikanischen Republik ist Typhus leider weit verbreitet, weil viele Menschen keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser oder funktionierenden Sanitäranlagen haben. Hinzu kommen Armut und eingeschränkter Zugang zu medizinischer Versorgung. Oft erreichen Patienten erst sehr spät eine Klinik, wenn die Krankheit bereits ernsthafte Schäden verursacht hat.
Hoffnungsschimmer – und die dramatische Wendung
Nach der Aufnahme wurde Bertin sofort mit Antibiotika behandelt. Anfangs schien die Behandlung anzuschlagen: Das Fieber sank, die Durchfälle wurden weniger, und sein Zustand besserte sich leicht. Doch nur zwei Tage später verschlechterte sich seine Lage dramatisch. Die Bauchschmerzen nahmen stark zu, sein Bauch war hart und schmerzempfindlich. Mit Ultraschall konnten wir erkennen, dass sich Flüssigkeit und Luft außerhalb des Darms angesammelt hatten. Das war ein Anzeichen dafür, dass der Darm an einer Stelle durchbrochen war.
Lebensrettende Entscheidung unter schwierigen Bedingungen
Die Diagnose war eine akute Perforation mit daraus resultierender Entzündung im Bauchraum, eine lebensbedrohliche Komplikation. Gemeinsam mit dem chirurgischen Team und Bertins Angehörigen wurde entschieden, ihn trotz seines geschwächten Zustands sofort zu operieren. Während des Eingriffs bestätigte sich die Diagnose: Der letzte Abschnitt seines Dünndarms war durchbrochen, Darminhalt hatte sich im Bauchraum ausgebreitet und eine Entzündung ausgelöst.
Engmaschige Überwachung nach der Operation
Die Operation verlief erfolgreich. Der Darmdurchbruch wurde verschlossen, der Bauchraum gründlich gespült und eine Drainage gelegt. Danach begann die kritischste Phase. Bertin musste engmaschig überwacht werden. Er erhielt mehrere Antibiotika gleichzeitig und durfte mehrere Tage nichts essen, um die frisch versorgte Darmstelle zu schützen. Unter den Bedingungen eines der ärmsten Länder der Welt ist diese Behandlung besonders anspruchsvoll. Medikamente müssen zuverlässig verfügbar sein, die Therapie genau nach Plan umgesetzt werden, und die Angehörigen müssen verstehen, warum Geduld jetzt lebenswichtig ist.
Schritt für Schritt zurück ins Leben
In zahlreichen Gesprächen wurde der Familie erklärt, warum auch scheinbar einfache Regeln, wie mehrere Tage nichts zu essen, entscheidend für das Überleben sind. Dieses Vertrauen und die Zusammenarbeit zwischen medizinischem Team, Pflegepersonal und Angehörigen trugen entscheidend dazu bei, dass Bertins Zustand stabil blieb. Nach einigen Tagen konnte er von der Überwachungsstation auf die Normalstation verlegt werden. Die Drainage wurde entfernt, er begann wieder vorsichtig zu essen. Sieben Tage nach der Operation konnte Bertin in gutem Zustand nach Hause entlassen werden.
Warum Ihre Unterstützung zählt
Bertins Geschichte zeigt, dass Typhus behandelbar ist, wenn die richtige medizinische Versorgung vorhanden ist. Sie zeigt aber auch, wie schnell eine eigentlich heilbare Krankheit lebensbedrohlich werden kann, wenn sauberes Wasser, frühzeitige Diagnose und medizinische Betreuung fehlen. Dass Bertin überlebt hat, ist das Ergebnis engagierter medizinischer Arbeit vor Ort und der Unterstützung von Menschen, die diese Hilfe möglich machen. Ihre Spende sorgt dafür, dass Menschen wie Bertin auch weiterhin rechtzeitig behandelt werden können.

