Wenn Sauerstoff fehlt, zählt jede Minute
Für schwer kranke Kinder kann Sauerstoff über Leben und Tod entscheiden. Im Ola During Children’s Hospital in Sierra Leone fehlt es jedoch immer wieder an ausreichend Sauerstoff und der notwendigen Ausstattung. Das medizinische Team muss improvisieren, während für Kinder wie Adama jede Minute zählt.
Für schwer kranke Kinder kann Sauerstoff über Leben und Tod entscheiden. Bei schweren Atemwegserkrankungen, Infektionen oder anderen lebensbedrohlichen Komplikationen reicht die eigene Atmung häufig nicht aus, um den Körper mit genügend Sauerstoff zu versorgen. Dann ist eine kontinuierliche Sauerstoffzufuhr unverzichtbar. Denn sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut zu stark ab, kann sich der Zustand eines Kindes innerhalb kürzester Zeit lebensbedrohlich verschlechtern.
Im Ola During Children’s Hospital in Sierra Leone ist diese Versorgung jedoch immer wieder gefährdet. Es fehlt an ausreichend verfügbarem Sauerstoff und an den notwendigen Materialien und Abläufen, um eine zuverlässige Versorgung rund um die Uhr sicherzustellen. Für das medizinische Personal bedeutet das, immer wieder improvisieren zu müssen, obwohl gerade bei schwer kranken Kindern jede Unterbrechung gefährlich werden kann.
Adama: Wenn jedes Atemholen zum Kraftakt wird
Adama lebt gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Urgroßmutter in einer Wohnung. Zum Vater des Mädchens hat ihre Mutter keinen Kontakt. Als Adama ins Ola During Children’s Hospital kommt, leidet sie unter Husten, Fieber und starker Atemnot. Zunächst wird sie mit Antibiotika behandelt, doch ihr Zustand bessert sich nicht. Ihre Atmung verschlechtert sich zunehmend, sodass sie schließlich auf eine andere Station verlegt wird. Auch dort ist sie dringend auf zusätzlichen Sauerstoff angewiesen.
Während eines Stationsumzugs gerät Adama in eine lebensbedrohliche Situation. Die vorhandenen Sauerstoffflaschen und Anschlüsse reichen nicht aus, um alle Kinder zuverlässig zu versorgen. Das Team muss deshalb improvisieren und Sauerstoff über selbst gebaute Verbindungen auf mehrere Kinder verteilen. In dieser Zeit verschlechtert sich Adamas Zustand dramatisch: Ihre Sauerstoffsättigung fällt auf etwa 40 Prozent. Das medizinische Team befürchtet, dass sie sterben könnte.
Erst als die Mitarbeitenden einen eigenen Sauerstoffzylinder und eine spezielle Atemunterstützung für Adama organisieren können, stabilisiert sich ihr Zustand. Die sogenannte Bubble-CPAP stellen sie vor Ort aus einfachen Materialien selbst her. Dafür nutzen sie eine leere, gereinigte Plastikflasche, die mit Wasser gefüllt und mit Öffnungen versehen wird. Über einen Nasenschlauch erhält Adama Sauerstoff.
Diese Konstruktion ist eine improvisierte Lösung für eine Situation, in der die notwendige medizinische Ausstattung nicht ausreichend verfügbar ist. Bis Adama eigenständig mit Sauerstoff versorgt werden kann und die Atemunterstützung funktioniert, vergeht wertvolle Zeit.
Doch die Ursache ihrer Beschwerden ist weiterhin unklar. Trotz verschiedener Antibiotika bleibt sie schwer krank. Nach wochenlangem Krankenhausaufenthalt erhärtet sich schließlich der Verdacht auf Tuberkulose. Das Team beginnt eine entsprechende Behandlung.
Nach einigen Wochen zeigt sich eine erste Besserung. Adama wird aktiver, beginnt wieder zu spielen und kann besser essen und trinken. Doch ihre Lunge ist weiterhin stark beeinträchtigt. Ohne zusätzlichen Sauerstoff fällt ihre Sauerstoffsättigung erneut auf gefährlich niedrige Werte. Sie bleibt deshalb auf eine kontinuierliche Versorgung angewiesen. Das Behandlungsteam muss besonders darauf achten, dass Adama jederzeit ausreichend Sauerstoff erhält und ihre Versorgung nicht mit der anderer Kinder geteilt werden muss.
Adamas Geschichte zeigt, dass selbst eine wirksame Behandlung an ihre Grenzen stößt, wenn lebenswichtige Ressourcen fehlen. Die richtige Diagnose und geeignete Medikamente sind entscheidend. Doch damit sie wirken können, muss auch die grundlegende Versorgung gesichert sein.

Was in Deutschland selbstverständlich ist, wird zur täglichen Herausforderung
In Deutschland gehört eine zuverlässige Sauerstoffversorgung zum medizinischen Alltag. Krankenhäuser verfügen in der Regel über zentrale Versorgungssysteme oder organisierte Flaschensysteme. Füllstände werden kontrolliert, Ersatz wird eingeplant und die Versorgung ist in feste Abläufe eingebunden. Niemand sollte entscheiden müssen, welches schwer kranke Kind Sauerstoff erhält und welches nicht.
In Sierra Leone lässt sich diese Selbstverständlichkeit unter den gegebenen Bedingungen nicht immer gewährleisten. Die Klinik ist auf ausreichend gefüllte Sauerstoffflaschen, passende Anschlüsse und funktionierende organisatorische Abläufe angewiesen. Fehlen einzelne Komponenten, kann die Versorgung trotz des großen Einsatzes des medizinischen Teams gefährdet sein.
Damit medizinische Hilfe wirken kann
Im Ola During Children’s Hospital setzen sich die Mitarbeitenden jeden Tag dafür ein, kranke Kinder bestmöglich zu versorgen. Doch medizinisches Wissen und persönlicher Einsatz allein reichen nicht aus. Es braucht auch die notwendigen Mittel und verlässlichen Strukturen, damit eine Behandlung sicher durchgeführt werden kann.
Für Kinder wie Adama ist eine kontinuierliche Sauerstoffversorgung eine grundlegende Voraussetzung für die Genesung. Sie darf nicht davon abhängen, ob gerade eine gefüllte Flasche, ein passender Anschluss oder eine improvisierte Lösung verfügbar ist. Denn wenn ein Kind kaum noch Luft bekommt, zählt jede Minute.


